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Isley Brothers

The Isley Brothers kamen 1957 als Teenager aus Cincinnati, Ohio, nach New York, wurden alsbald in Harlems Apollo-Theater gebucht und sind seither einer der beständigsten Acts im Soulgeschäft. Auf ihrem langen Marsch durch die Plattenfirmen hatten sich die Brüder Isley stets aktuellen Klangmoden angepaßt.

Rudolph wurde am 1. April 1939 geboren, Ronald am 21. Mai 1941, O'Kelly (verkürzt Kelly) am 25. Dezember 1937. Ihre frühen, auf Teenage Records sowie auf George Goldners Labels Gone, Mark-X und Cindy veröffentlichten Singles The Angel Cried, My Love, Rockin' McDonald und andere unterschieden sich noch kaum vom fließbandmäßig hergestellten Wegwerf-Rock'n'Roll anderer schwarzer Gesangsgruppen wie Teenagers, Flamingos, Imperials. Mit dem am 29. Juli 1959 für RCA eingespielten Shout zeigten die Brüder musikalisch und geschäftlich Profil: Die hochwirksam ausbalancierte Ekstasenummer kam zweimal, 1959 und 1962, auf "Billboards" Pop-Liste und schaffte eine Auflagemillion.

Weder RCA noch die nächste Firma Atlantic vermochten jedoch die Explosivkraft der Isleys kommerziell zu bändigen. Im RCA-Studio scheiterten die Sänger beim Versuch, halbtote Songs (St. Louis Blues, That Lucky Old Sun) und vergreiste Streicherarrangements zu beleben; bei Atlantic wurde ihr Drive entweder vom steifen Ray Ellis-Orchester oder von vorzüglichen, aber für sie ungeeigneten Leiber & Stoller-Produktionsschablonen gebremst.

Erst der Producer Bert Berns verhalf ihnen 1962 bei Florence Greenbergs Label Wand durch die Fusion von Rhythm&Blues und lateinamerikanischen Rhythmen wieder zu einem Monster-Hit: Das von Berns und Phil Medley komponierte und zuvor in einer Atlantic-Aufnahme der Top Notes durchgefallene Twist And Shout hielt sich in der Isley Brothers-Version, vergoldet, 16 Wochen unter den "Hot 100". Bei der Firma United Artists kehrte das Trio danach nur kurz ein: Weder die hitverdächtige Single Who's That Lady (später in einem selbstproduzierten Remake ein Kommerzknüller) noch LPs wie Surf And Shout wurden dort angemessen promotet.

Nach dem Namen ihres Wohnorts Teaneck im US-Bundesstaat New Jersey gründeten die Isleys 1964 ein eigenes Plattenlabel T-Neck für den Atlantic-Vertrieb, kehrten für kurze Zeit (mit Jimi Hendrix in der Begleitband) zu Atlantic zurück und landeten schließlich bei Motown. Von den Produzenten Holland, Dozier, Holland betreut, brachten sie abermals Hits in die Charts: This Old Heart Of Mine, Take Some Time Out For Love, I Guess I'll Always Love You. Aber auch diese Periode handwerklich gediegener Saccharin-Soulmanufaktur dauerte nicht lange. Als ihre Producer die Firma verließen, unterbanden neidische Motown-Kollegen den Nachschub guten Songmaterials; das ruhende T-Neck-Unternehmen fing die Motown-Flüchtlinge auf.

It's Your Thing, sagten sich die Isley-Brüder, stilisierten ihr Äußeres selbstbewußt im Afro-Look und lieferten unter diesem Songtitel einen gänzlich neuen Soulklang aus: funky pulsierende, hocherotische Wah-Wah-Elektronik in der Nähe von Sly and the Family Stone. Der Thing-Millionensingle, für die sie mit einem Grammy ("Best R&B Vocal Performance") ausgezeichnet wurden, folgten 1969 weitere attraktive Werbe-Jingles für stimulierenden schwarzen Sex; Textproben: "I turned you on and I can't turn you off" (I Turned You On), "The blacker the berry the sweeter the juice" (Black Berries), "I wanna know was it good to ya" (Was It Good To You).

Im gleichen Jahr stockten die Isley Brothers ihre Besetzung zum Familienunternehmen von zwei Generationen auf. Hinzu kamen die Brüder Ernest (g, bg, perc, voc) und Marvin Isley (bg, perc, voc), Cousin Chris Jasper (kb, synthesizer) sowie Everett Collins (dr), als einziger nicht verwandt. Auch das Repertoire wurde verjüngt. Die Gruppe interpretierte jetzt auch reine Rockstücke wie Bob Dylans Lay Lady Lay, Eric Burdons Spill The Wine und Stephen Stills' Love The One You're With. "Unsere Musik ist dauernd im Wandel", erklärten die Sänger dem Magazin "Black Music": "Unsere Erfahrung erweitert sich und ebenso unser Publikum. Wir haben jetzt die Möglichkeit, sehr sweet zu artikulieren oder einen schweren Rock-Rhythmus vorzulegen, sehr "down home" oder sehr soulful zu sein ..."

Mit der Zwei-Millionen-Single That Lady (Part I) als Lokomotive erreichte ihr Album 3+3 (1973) Platin-Status, gefolgt von der Gold-Single Fight The Power (Part I) aus dem LP-Bestseller The Heat Is On (1975). Obgleich es der Familientruppe in der zweiten Hälfte der Siebziger nicht gelang, die Serie von Hit-Singles fortzusetzen, schoben sich ihre LPs wie Go For Your Guns, Showdown, Winner Takes All, Go All The Way, Grand Slam, The Real Deal, Between The Sheets mit Umsätzen von je mehr als einer Million Dollar auch weiterhin in Platin-Regionen empor.

Auf dem Album Inside You (1981) ließen sich die Isleys erstmals von opulenten Orchesterarrangements begleiten. Die Stimmung im Ensemble war keineswegs so harmonisch. Zwischen Ernie, Marvin, Jasper und ihren drei älteren Brothers brach ein Generationenkonflikt aus, der 1974 zur Spaltung der Gruppe führte. Isley/Jasper/Isley firmierten fortan zwar immer noch unter ihrem umsatzträchtigen Namen, nabelten sich aber als eigenständige Gruppe ab. Damit war der Familienfrieden wiederhergestellt.

Das aus Rudolph, Ronald und O'Kelly Isley bestehende Original-Trio beschloß gleichfalls einen Neubeginn und schloß mit Warner Bros. einen frischen Plattenvertrag. Ihr erstes, von der Kritik vielbeachtetes Album auf dem neuen Label, Masterpiece (1985), widmeten sie ihrem früh verstorbenen Bruder Vernon, der 1954 in Cincinnati auf dem Fahrrad mit einem Auto kollidiert war.

Kurz nach Fertigstellung der LP, am 31. März 1986, starb O'Kelly Isley 48jährig in seinem Haus in Alpine, New Jersey, an einem Herzschlag. Die verbliebenen Brüder Rudolph und Ronald brachten ihr Album Smooth Sailin' (1987) als Duo in seinem Andenken heraus. Es wurde von der Soulsängerin Angela Winbush produziert, die später Ronald heiratete und fortan das Backing-Trio leitete sowie als Leadstimme in der Show ein eigenes Feature bekam. Höhepunkt ihres Auftritts: Marvin Gayes Inner City Blues sowie die Ballade Your Smile aus ihrer Zeit mit dem Duo Rene and Angela in Los Angeles.

Nach einer dreijährigen Pause, in der Rudolph als Prediger wirkte, lebte die Gruppe 1990 wieder auf und wurde 1992 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 1994 gewann sie einen Rechtsstreit mit dem Sänger Michael Bolton, der den Isley-Hit Love Is A Wonderful Thing von 1966 bis hin zum Titel abgekupfert hatte. Die Tantiemen der Bolton-Single gingen hundertprozentig, die des Bolton-Albums zu 28 Prozent an die Isleys. Tracks Of Life (1992) war die erste gemeinsame Platte von Ronald, Ernie und Marvin seit 1983.

1996 wechselte die Gruppe von Elektra zu Virgin und veröffentlichte Please. Als sie nach 20 Jahren im Juli 1994 zum erstenmal wieder in London gastierten, urteilte die "Times": "35 Jahre ein dauerhaftes und sich selbst erneuerndes Familienunternehmen, sind die Isley Brothers jetzt ernsthaft überfällig für mehr Respekt."


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