James Brown

Die Geschichte von James Brown ist eine Geschichte mit unglaublich vielen Ups and Downs, aber auch eine Geschichte mit besonders vielen sehr extremen Ups and Downs. Natürlich kann ein kurzer biographischer Abriß nur einen Bruchteil dessen beleuchten, was die fünf Jahrzehnte umspannende Karriere des Godfather Of Soul ausmacht, aber alleine die Facts, die an dieser Stelle aufgeführt sind, geben einen Eindruck dessen, was James Brown in diesen vielen Jahren für die Musikwelt Enormes geleistet hat.

Geboren wurde Brown am 3.5.1933 in der Nähe von Barnwell, South Carolina. Es werden wie bei Stars üblich auch diverse andere Geburtsjahre genannt, aber belassen wir es bei der vermutlich wahren Version. Schon als James noch ein kleines Kind war, trennten sich die Eltern. Die Mutter sollte der kleine Junge zwei Jahrzehnte nicht wieder sehen. Der Vater arbeitete in Terpentinfabriken und -camps und hatte kaum Zeit, sich um den Kleinen zu kümmern. So war Brown sehr früh auf sich allein gestellt, spielte ein bißchen harp (d.i. eine blues harp), ohne aber jemals viel Gefallen an der Bluesmusik zu finden.

Um sich und Little James besser versorgen zu können, war bald ein Umzug in die Nähe von Augusta, Georgia vonnöten. James' Tante Minnie, die sich tagsüber mehr um ihn kümmerte, zog direkt mit. Nun war Augusta nicht gerade eines der feinsten Pflaster: Glücksspiel, illegale Schnapsbrennerei und Prostitution waren an der Tagesordnung, James lebte mit Minnie bei einer anderen Tante, "Honey" Washington - das Problem war, daß dieses Haus nichts anderes darstellte als ein Bordell, das bald auch viel von Soldaten aufgesucht wurde. Dennoch fehlte Little James neben einem richtigen Elternhaus vor allem Geld. Alles war recht, um Tante Honey wenigstens ein bißchen nach Hause zu bringen: Schuhe putzen, Baumwolle pflücken, Erdnüsse ernten. Später hat Brown oft darauf hingewiesen, was aus ihm als ehemaligem "shoe shine boy" doch geworden ist. Er hat seine frühe Armut nie vergessen.jamesbrown

Musik bildete eine willkommene und notwendige Abwechslung. Der Gospel war die Brücke zu einer anderen Welt. Brown lernte Schlagzeug und Klavier spielen und sang auch den Gospel, wann sich die Gelegenheit bot. Ihm gefielen aber auch die frühen R&B-Acts der damaligen Zeit, die es in Kinos auf Kurzfilmen zu bewundern gab. Und diese Acts zu imitieren war die erste kleine Stufe in der Karriereleiter nach ganz oben - auch wenn Brown selbst niemals ahnen konnte, daß seine Art zu Singen, die ihm eine kleine Anhängerschar in der Nachbarschaft einbrachte, wirklich erfolgreich sein würde. Brown suchte sich ein paar Jungs, gründete das Cremona Trio und versuchte sich bei einem Amateurwettbewerb. Damals hatte er aber eigentlich noch mehr Spaß an Baseball und Boxen. Letzteres half, sich in einem Milieu durchzusetzen, in dem nicht immer der freundlichste Umgangston herrschte. Und so war es beinahe nicht zu vermeiden, daß Brown in schlechte Gesellschaft geriet. Das Geld reichte kaum für das Nötigste, und so begann er zu stehlen.

Nach einigen gefährlichen Situationen wurde Brown schließlich erwischt, als er aus einem aufgebrochenen Auto Sachen entwendete. Er wurde zu der völlig überzogenen Strafe von 8 bis 16 Jahren verurteilt (1949). Der Umstand, daß Brown ein armer, schwarzer Junge war, spielte dabei sicherlich eine große Rolle so wie die Tatsache, daß er etwa vier Jahrzehnte später völlig unverhältnismäßig hart bestraft wurde, als er dann ein sehr erfolgreicher, aber eben schwarzer Mann war. So oder so: Es war in beiden Fällen eben Amerika mit seiner alltäglichen Form des Rassismus.

Nach einiger Zeit wurde Brown in das Georgia Juvenile Training Institute nach Rome verlegt, in dem es noch härter zuging als in der vorherigen Anstalt. Brown mußte hart sein, um nicht unterzugehen, aber er war auch hart gegen sich selbst: Er wollte alles tun, um nicht Anlaß zu geben, ihn länger als irgend nötig festzuhalten. Wieder half die Musik; Brown stellte beispielsweise ein Gospel Quartett zusammen. Viele Monate später wurde Brown nach Toccoa, Georgia verlegt, wo er zum ersten Mal Bobby Byrd begegnete, der ebenfalls eine Gospelgruppe leitete, aber kein Gefängnisinsasse war. Das war Anfang der Fünfziger.

Und bald wurde Brown unter der Auflage, sich umgehend einen Job suchen zu müssen, aus dem Gefängnis entlassen - nach gut drei Jahren. Er übernahm alle möglichen Jobs, von denen nicht alle ganz legal waren, und mehrfach hing seine Bewährung an einem seidenen Faden; aber letztlich setzte sich die Musik durch. Brown begegnete Byrd erneut, sang mit dessen Schwester Sarah in einem Gospel Choir und trat auch in die aus High School Kollegen Byrd's rekrutierte kleine Band ein, die R & B-Sachen nach Art der Dells oder Moonglows sang. Für Instrumente reichte das erst Geld nicht, von einem alten Walzenklavier abgesehen.

Aber das glichen die singenden Jungs durch einen unbändigen Fleiß aus. Sie übten bis zum Umfallen, orientierten sich an ihren erfolgreichen Vorbildern wie den Five Royales oder Clyde McPhatter. Brown entwickelte zusätzlich eine enorme Begeisterung für das Tanzen. Schon zu Honeys Zeiten hatte er für Leute getanzt, um ein bißchen Kleingeld zu verdienen, jetzt schaffte er sich alles drauf, was angesagt war und noch ein bißchen mehr. Nach und nach veränderte sich die Gruppe ein bißchen, ein Gitarrist kam dazu. Und noch etwas tat sich: Brown heiratete ein Mädchen namens Velma Warren - das war 1953.

Die Band trennte sich beinahe, denn manchen gefiel es nicht, daß Brown so sehr im Vordergrund stand. Nun war er aber der beste Sänger und Tänzer der Gruppe, also blieben sie doch zusammen. Nur einen schmissigen Namen brauchte es noch: Sie nannten sich die FLAMES. Langsam wurde es auch wichtiger, durch viele lokale Gigs Geld reinzubringen: Das verschaffte die Möglichkeit, wenigstens ansatzweise Instrumente zu besorgen - und zudem war Brown mittlerweile Vater geworden.

Im Laufe der Zeit wurden die Flames immer besser. Brown trieb das Publikum mit seiner intensiven Art und seinen irrwitzigen Tanzschritten zur Raserei. Besonders gefragt war der Titel Please Please Please, den Brown inspiriert durch den Song Baby Please Don't go der Orioles selbst geschrieben hatte. Und die Flames gaben immer alles. Alle Bands, die es riskierten, sie herauszufordern, wurden von der Bühne gefegt. Die Flames nannten sich alsbald die Famos Flames, und ihr Ruhm in ihrer Gegend festigte sich. Mit einer kleinen Bandaufnahme ihres gefragtesten Stückes Please Please Please wurden sie bei dem Label King Records vorstellig.

KING-Boss Syd Nathan wollte nach einem Aufnahmetest nichts mehr davon wissen, aber Talentsucher Ralph Bass überredete ihn. So wurden vier Stücke eingespielt, aber auf dem kleineren Label FEDERAL veröffentlicht. Der Song war kein "instant hit", aber durch unermüdliches Touren, weitere Veröffentlichungen und der Tatsache, daß irgendwann auch die Discjockeys anbissen, war der späte Erfolg nicht zu leugnen: Der Song kletterte bis auf Platz 6 der Billboard R&B Charts und hielt sich dort neunzehn Wochen.

Und doch dauerte es weitere Monate voller Auftritte und Aufnahmen, bis sich die Band wirklich durchsetzte - die ganze Zeit über nie wirklich ausreichend bezahlt von Syd Nathan. Die Gruppe ging auseinander. Sie hatten einen Riesenerfolg gehabt, schwer gearbeitet, aber es schien sich nicht auszuzahlen. Brown machte mit Pick Up-Bands weiter, und erst 1958 gelang ihm mit dem Song Try Me endgültig der Sturm an die Spitze: Er wurde zum Nummer Eins Hit in den R&B Charts und wurde ein Top 50 - Song im Pop-Bereich. Brown hatte eine weitgehend neue Band, wieder mit Bobby Byrd, und arbeitete unbeirrt an der Perfektionierung seiner Bühnenshow.

Größere und immer größere Auftritte folgten, schließlich gar im legendären Apollo Theatre, oft Begräbnis für Künstler, denn das Publikum war - besonders bei den Amateur Nights - gnadenlos und grausam, wenn ihm etwas nicht gefiel. Aber James Brown's Power konnte sich auch dieses kritische Publikum entziehen. Erfolgreiche Songs folgten, "Think", "Lost Someone", "Bewildered" - jahrelang bei unzähligen Auftritten verbessert, verfeinert, geschult.

Und 1962 mochte Syd Nathan schon wieder nicht, welche Idee ihm herangetragen wurde: Brown wußte um seine Fähigkeiten als Live Artist und wollte ein Live Album herausbringen. Das war damals völlig unüblich, sieht man von wenigen Jazzalben und zwei Ray Charles-LPs ab. Brown wählte zudem das Apollo Theatre aus - und wieder hatte er Recht: Die Aufnahmen, sicher nicht glänzend, vor allem auch teilweise selbst finanziert, weil sich Nathan zierte, hatten Power und wurden zu einem Überraschungserfolg. Im folgenden Jahr gelang Brown mit PRISONER OF LOVE gar ein Top 20 Pop Hit. Mittlerweile war Live at the apollo zum bestverkauften Album des Landes geworden. Brown hatte die Schnauze voll, von KING und damit Nathan ausgenutzt zu werden. Er nahm trotz des bestehenden Kontraktes für das Label SMASH auf (1964), unter anderem das legendäre out of sight. Dabei hatte Brown der Band ein gutes Werk getan und den Drummer Melvin Parker verpflichtet und nahm den Saxophonisten Maceo Parker, Melvins Bruder, gleich mit dazu. Vor ihrer Militärzeit begann vor allem Maceo, eine Jahrzehnte währende musikalische Beziehung zu Brown aufzubauen.

Doch die Zeichen standen auf Sturm: Nathan machte Ärger wegen Vertragsbruchs. Und so konnte Brown nach der Single out of sight die meisten anderen Stücke, die er für Smash eingespielt hatte, nicht veröffentlichen. Brown kehrte mit einem besseren Vertrag zu KING zurück. Die umstrittenen Aufnahmen erschienen erst Jahre später.

Die Popularität wuchs. Selbst in sonst bedeutungslosen Filmen wie SKI PARTY mit Frankie Avalon war Brown mit I feel good der absolute Show Stopper. Aber es fehlte ein neuer Kick - und kaum ein anderer Künstler dieser Zeit entwickelte seinen Stil innerhalb weniger Jahre derart sensationell: 1965 gab Brown der Welt endgültig eine Superdosis SOUL - und sang Papa's got a brand new bag. Der Song schoß an die Spitze, wurde zum Top Ten-Hit in den USA und England. Nun war er nicht mehr aufzuhalten.

Mit einer frischen Band (u.a. mit Posaunist Fred WESLEY, den von der Army zurückgekehrten Parkers, Saxmann (und zeitweise Bandleader) St.Clair Pickney, (mit Brown schon in Kindertagen in Augusta bekannt) wurde er mehr und mehr zum hardest working man in show business, ein energiegeladener Performer, nicht immer leicht zu nehmen (falsche Noten oder Tanzschritte brachten gehörige Rüffel ein und bedeuteten finanzielle Einbußen - ähnlich den Strafkatalogs-Praktiken, die Sportvereine ihren Stars auferlegen), aber stets bereit, dem Publikum eine Wahnsinnsshow zu bieten - und damals bestand ein Konzertabend aus drei, vier Shows hintereinander!!

1966 wurde Brown Mitglied der National Association for the advancement of colored people (NAACP). Es war eine Zeit, in der African Americans politisch sein mussten, denn es waren gewaltige Umbrüche zu spüren. Und Brown als Mann im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stellte sich der Verantwortung. Als James Meredith in diesem Jahr in den Rücken geschossen wurde, als er sich in eine Wählerliste eintragen lassen wollte, brodelte es nur noch mehr. Brown setzte sich bei den Kids dafür ein, ihren Sinn zu schärfen, auf eine Schulbildung auf keinen Fall zu verzichten, nahm dazu auch den Song Dont´t be a dropout auf.

1967 bereicherte Saxmann und Keyboarder Alfred "Pee Wee" Ellis die Band. In den Endsechzigern gab es vieles, was die Schwarzen in den US-of-A beschäftigte: Black Power, "Rassenunruhen", der Vietnam-Krieg, Muhammad Ali verweigert den Kriegsdienst und bekam seine Boxtitel dafür aberkannt, Martin Luther King wetterte gegen diesen Krieg - und wirkte dadurch für die weiße Gesellschaft noch bedrohlicher.

Aus dieser krankhaften Bedrohungsangst der weißen Gesellschaft heraus geschah dann beinahe zwangsläufig, was in solchen Fällen immer geschieht: Das scheinbar Bedrohende wird mit Gewalt ruhig gestellt. 1968 wurde Martin Luther King erschossen. Und James Brown's damaliger Einfluß wird dadurch deutlich, daß nicht zuletzt ein TV-Liveauftritt seiner Band dafür sorgte, daß in Boston die Leute nicht auf die Straßen gingen, um in Vergeltungsaktionen für Massenunruhen und Krawalle zu sorgen, sondern dem Godfather bei seinem vielleicht bedeutendsten Auftritt überhaupt zuzusehen. Und es gelang. Tags darauf wiederholte Brown diese Maßnahme in Washington. Zudem überschritt Brown Grenzen, die bis dahin unverrückbar erschienen waren: Ein nicht segregiertes Publikum, ein weißer Bassist, aber auch die Hinwendung zu einer stolzen Haltung, die sich u.a. in dem Titel Say it loud - I'm Black and I'm Proud äußerte. Das waren nicht nur leere Worte.

Brown hielt nichts davon, mit Gewalt an sein Ziel zu kommen - er hatte seine Erfahrungen genutzt, um sich anders durchzusetzen: Er war fürS Sich-Einmischen, für Zusammenhalt und Sich-Organisieren, aber auf einer anderen, gewaltfreien Ebene. Im Laufe der Jahre wurde er Besitzer mehrerer Radiostationen (Ende der Sechziger gab es zeitweise 500 Radiostationen "für Schwarze", fünf, die von Schwarzen besessen wurden, drei davon gehörten James Brown. Und auch über dieses Medium wandte er sich an "seine Leute", um ihnen seine Botschaft weiterzureichen: Keine Gewalt, sondern Bildung, aber auch kein Duckmäusertum, sondern Stolz und Selbstbewußtsein.

Bei all den Problemen, die die amerikanische Gesellschaft den Schwarzen damals mehr noch als heute bereitet, war James Brown aber doch auch ein klischeehafter Amerikaner, der sein Land in übertriebener Form liebte und der demzufolge auch - waren die Truppen nun schon einmal in Vietnam - dafür sorgen wollte, daß sie bestens unterstützt einen guten "Job" machen konnten. Also flog er mit einer kleinen Besetzung seiner Band nach Vietnam und trat für die Soldaten auf.

1970 gab es erneut Ärger in der Band: Enttäuscht über die finanzielle Vergütung und dem Wunsch nachgebend, auf eigenen Beinen stehen zu wollen, verließen die bekanntesten Leute die Band - Maceo, Fred Wesley und einige andere machten unter eigenem Namen einige Aufnahmen (Maceo and all the King's Men, Maceo and the Macks etc., siehe Diskographie); aus der Not heraus gelang Brown ein genialer Schachzug: Er verpflichtete Hals über Kopf eine neue Band, die PACESETTERS aus Cincinatti, die er bei Sessions kennengelernt hatte. Das waren unter anderem die Brüder Bootsy (bass) und Catfish Collins (Guitar). In dieser Zeit entstanden einige der "sattesten" Funk-Tracks der gesamten Brown-Historie (u.a. Super bad, Sex Machine, Get up, Get into it, get involved oder Soul power).

Der Erfolg blieb Brown treu, eine Afrika-Tournee folgte; so, wie Brown sein Crossover-Publikum mit seinem SAY IT LOUD-Aktivismus teilweise eingebüßt hatte, verärgerte er nun sein schwarzes Publikum mit der Unterstützung Richard Nixon's, dem er diverse Versprechungen glaubte, das Leben für die Schwarzen gerade im Bezug auf Bildung zu verbessern.

In den Folgejahren geschahen Schlag auf Schlag Ereignisse von großer Tragweite: James' Sohn starb 1973 bei einem Unfall; Brown arbeitete nur um so härter; er bekam gewaltige Steuerprobleme - und glaubte sich dennoch unschuldig, da ihm früher nicht die Möglichkeit gegeben wurde, sich mit diesen Dingen auszukennen. Sein politisches Bewußtsein blieb rege: So veröffentlichte er den Track KING HEROIN, in dem er die Kultwirkung der Droge untergrub. Und von Politikern im allgemeinen wußte er schon damals richtig zu sagen Talkin' Loud (and sayin' nothin).

Wieder kehrten Wesley, Maceo & Co. zurück. Brown unterzeichnete einen besser dotierten Vertrag bei Polydor, die auch heute noch die Rechte an den meisten Aufnahmen besitzen, bei denen Brown aber nie wirklich glücklich war, denn ihm war zu Vieles nur auf Vermarktung angelegt und nicht darauf, die Musik im Vordergrund zu belassen. Und genau darin lag das Problem der ausgehenden siebziger Jahre: Die Musikwelt veränderte sich, und je mehr der Disco-Sound in den Blickpunkt geriet, umso mehr büßte handgemachte Musik (Jazz, Soul, Funk) an Einfluß ein.

Brown mochte keine Zugeständnisse machen und verlor zusehends auf dem Plattenmarkt. Als Live-Artist war seine Energie ungebrochen. Dennoch war die Gesamtsituation - Steuerprobleme, der sich ungünstig wandelnde Musikgeschmack, schlechtere Bedingungen für seine Band - so bedrückend, daß Brown vorübergehend ans Aufhören dachte

Erst zwei Filmauftritte brachten ihn wieder ins große Geschäft: Als Reverend in BLUES BROTHERS (1980) und mit dem Track Living in america in ROCKY IV war er wieder in aller Munde( Living in America wurde gar wieder ein Top Ten-Hit!). Dazwischen hatte er bei einer TV-Show seine nunmehr dritte Frau Adrienne kennengelernt (1982);

1984 brachte die Zusammenarbeit mit dem Rapper AFRIKA BAMBAATAA den Track UNITY hervor, der nicht nur eine Art Begegnung mit dem Rap markierte, sondern auch Ausdruck dafür war, daß die Rap Community sich sehr wohl der Tatsache bewußt war, daß sie musikalisch gesehen James Brown beinahe alles zu verdanken hatte. Manch ein alter Brown Track ließe sich gut und gerne als Rap-Ursprung bezeichnen - noch deutlicher wird der Einfluß aber dadurch, daß die Brownschen Funkgrooves bestens geeignet waren, um in verfremdeter oder gesampelter Form das Grundgerüst für unzählige Rap Songs zu bilden. Erst sehr viel später wirkte sich das auch finanziell aus, denn in den Urtagen des Rap kam niemand auf die Idee, für das verwendete Material auch Tantiemen zu bezahlen.

1986 wurde James Brown in die Rock ‚n' Roll Hall of Fame aufgenommen. Eine große Ehre sicherlich, wenn auch der etwas tapsige Versuch, Brown's immensen Einfluß in eine nicht ganz passende Form zu pressen. Sah also die Zukunft ganz gut aus, mußte dem Gesetz der Serie entsprechend ein Dämpfer folgen.

james_brown1988 wurde James Brown festgenommen. Er hatte mit einer Waffe in der Hand ein paar vermeintliche Störenfriede zur Ruhe bringen wollen, war dann, nachdem die Polizei gerufen worden war, mit seinem Auto geflüchtet und verfolgt worden. Letztlich zählte man in seinem Auto 23 Einschußlöcher. Brown hatte unter dem Einfluß des Aufputschmittels PCP gestanden - doch was zu seiner Verurteilung führte, war der Tatbestand der "blue light violation" durch ein "blue light high-speed chase" (frei übersetzt ein "Blaulichtrennen"), was ihm sechs Jahre Gefängnis einbrachte. Das mutet so absurd an, wie es war: Nun konnte das weiße Establishment zeigen, was es von Brown hielt: Er war nicht mehr arm, aber er hatte eine zu große Klappe gehabt; und zurecht beklagte sich Brown darüber, daß kein ähnlich erfolgreicher Weißer jemals wegen eines solchen Vergehens zu einer derart harschen Strafe verurteilt worden wäre.

Es ist kaum vorstellbar, daß ein Mann seines Alters noch einmal den Willen aufbringen könnte, nach diesem Tiefschlag zurückzukehren - doch genau das geschah. Wegen untadeliger Führung wurde Brown nach weniger als zweieinhalb Jahren entlassen und kehrte zurück in die Musikwelt.

Die Ereignisse seiner letzten Jahre  bezeugen von ewigen auf und Ab der Extreme seines Lebens:

  • 1992 erhielt Brown einen Special Lifetime Achievement Grammy Award
  • 1996 starb Adrienne an einer Medikamentenvergiftung nach einer plastischen Operation.
  • 1998 unterzog sich Brown einer Entziehungskur wegen einer Painkiller-Abhängigkeit
  • 1999 folgte dennoch eine Irssinns-Performance in Woodstock
  • 1999 stirbt auch St.Clair Pinckney, einer der treuesten Brown-Bandkollegen überhaupt.
  • 2001 heiratete Brown die Sängerin TOMI RAE, nicht einmal halb so alt wie er
  • 2001, am 11.6. kommt das Kind James Joseph Brown II zur Welt
  • 2002 Brown's Töchter aus zweiter Ehe verklagen ihren Vater wegen Copyrightverletzungen. Sie wollen Geld dafür, daß sie gewissermaßen als Co-Composer einige der größten Hits maßgeblich mitgeschrieben hatten. Das war natürlich blanker Unsinn, waren sie doch damals noch in den Kinderschuhen; aber Brown hatte sozusagen als Alterssicherung ihre Namen als Co-Composer mitangegeben.
  • 2002 bei Brown wird Diabetes diagnostiziert; er ignorierte die vermutlich schon viel länger bestehende Krankheit lange Zeit; und er ignoriert auch, daß ein Zurückstecken in Sachen Aktivität vonnöten wird
  • 2002 Brown's  letzte Veröffentlichung Next Step erscheint, u.a. mit einer Reunion mit dem alten Weggefährten Bobby Byrd für den Track Killing is out (School is in). Die CD ist die Beste seit Jahren - Brown hatte auch in den späten Achtzigern und während der Neunziger gute bis vernünftige Alben herausgebracht, die aber oft zu glatt produziert wirkten - doch Brown ärgert sich über die schlechte Vermarktung
  • 2002 November; alte Bandkollegen wie Byrd, Wesley und ein paar Jungs der Flames klagen auf Erhalt von Geld aus Tantiemen.
  • 2003 Brown wird 70, sein Tourplan weist für die kommenden Wochen Konzerte in der Royal Albert Hall, im House Of Blues (Chicago) und der Hollywood Bowl (Los Angeles) aus. Aber auch James Brown muß erkennen: "I feel that my performing days are numbered" - immer noch gibt Brown bei Konzerten alles, aber die Regenerationszeit nach den schweißtreibenden Konzerten wird länger.

James Brown, der "Godfather des Soul",stirbt in der Nacht  vom 25.12.2006 an Herzversagen als Folge einer Lungenentzündung. Ein enger Freund,Charles Bobbit, wachte an seinem Sterbebett. Brown wollte am Silvesterabend an New Yorks Times Square zwei Shows geben und hatte für Januar mehrere Auftritte in Kanada vereinbart.

James Brown ist in der Tat bis an sein Lebensende aufgetreten. Spötter mögen behaupten, daß er das tun muß, hat er doch diverse Klagen am Hals und ist er nie wirklich sorgsam mit seinem Geld umgegangen. Andererseits ist James Brown wie kein Zweiter in der Musikgeschichte wirklich für sein Publikum dagewesen und hat immer das Beste aus sich herausgeholt, bei jedem Konzert, fünf Jahrzehnte lang. Deshalb trägt er seine diversen Titel zurecht, aber vor allem den einen, "The hardest working man in showbusiness".

Und Spötter mögen auch behauptet haben, Brown habe doch seine Millionen damit gemacht, daß er bloß geschrien und gebrüllt habe. Brown hatte es nicht nötig, auf seine Fähigkeiten als Sänger hinzuweisen. Mit seiner ihm eigenen Art wußte er eine bessere Antwort: "Ja, aber ich schreie und brülle in der richtigen Tonart!"

 


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