The O´Jays

The O'Jays, fünf singende Schulkameraden aus Canton, Ohio, nannten sich 1959 zunächst Triumphs, später auf dem Wayco-Label Mascots, ehe ihnen der Discjockey Eddie O'Jay in Cleveland seinen Namen verpaßte und sie zur Liberty-Marke Imperial in Kalifornien vermittelte, auf der 1965 ihre erste bescheidene Hit-Single erschien: Lipstick Traces erreichte Platz 28 der Soul-Charts und war nach drei Wochen wieder verschwunden.The O Jays

In diesen Jahren wirkten der am 20. Januar 1942 geborene William Powell, der am 25. August 1942 geborene Walter Williams, der am 16. Juni 1942 geborene Eddie Levert sowie die später ausgeschiedenen Bill Isles und Bobby Massay als Konzert-Anwärmer für zahlreiche Rock-Acts und sangen im Studio-Background der berühmten Phil Spector-Produktionen mit den Crystals und den Ronettes.

Nach einem zweijährigen Intermezzo bei Bell Records - ihr I'll Be Sweeter Tomorrow kam damals immerhin auf Platz acht - begann 1968 ihre Zusammenarbeit mit den Produzenten Kenny Gamble und Leon Huff, zunächst für deren wenig lukrative Plattenfirma Neptune, von 1972 an neuerlich für Philadelphia International.

Das Stück Back Stabbers etablierte die zum Trio geschrumpften O'Jays 1972 erstmals mit einem Nummer-eins-Treffer in den R&B-Charts, gefolgt von Love Train, Give The People What They Want, I Love Music (Part 1), Living For The Weekend, Message In Our Music, Darlin', Darlin' Baby, Used To Be My Girl, For The Love Of Money, Work On Me. Anders als das Gros von Gambles & Huffs Phillysound-Interpreten versuchten die O'Jays in ihren Songs nicht, die Ghetto-Vergangenheit zu verdrängen. Sie erzählten, beispielsweise in Back Stabbers, von notgetriebenen Nachbarn, die freundlich lächelnd das Messer für den Stich in den Rücken schon aufgeklappt haben: "You'd better beware, they smile at your face."

In Ship Ahoy wirkte "das Spiel von Wörtern, Stimmen und Instrumenten derart filmähnlich, das Bild in Afrika ablegender Sklavenschiffe ist so stark und scharf konturiert, daß auf Protestlyrik verzichtet werden kann" ("New York Times"). In Bobby Martins meisterhaftem Arrangement von Don't Call Me Brother mit seinem aufregenden Gegeneinanderwirken von Dreiviertel- und Vierviertelmetren mündete die Aussage umgekehrt immer wieder in die plakative Zeile: "How can you call me brother when you don't respect my woman?"

Wenigstens bei den O'Jays wurde das werbewirksame Vexierbild der vorgeblich problemlosen "city of brotherly love" (Leon Huff) Philadelphia fortwährend durchlöchert; ihre Texte und gospelgefärbten Interpretationen gaben Durchblicke auf die unbewältigte Rassenproblematik frei. Vor allem der Lead-Sänger Eddie Levert trug durch seine bohrende Intensität zur Gospelqualität dieser vordergründig für die Discos bestimmten Aufnahmen bei.

1976 mußte William Powell krankheitshalber ausscheiden; er starb am 26. Mai 1977 in Canton, Ohio, an Krebs. An seine Stelle trat Sammy Stain, geboren am 9. Dezember 1941 in Brooklyn, N.Y., der zuvor zwölf Jahre lang bei Little Anthony and the Imperials gesungen hatte. Obgleich die Platten-Bosse Gamble und Huff als Autoren weiter den Hauptteil der O'Jays-Songs schrieben, gewannen Levert und Williams seit Anfang der achtziger Jahre im Studio zunehmend größeren Einfluß auf ihre Produktionen.1987 bereiste die Gruppe nach 15 Jahren wieder einmal Europa und hatte mit Loving You wieder einen Top-R&B-Hit.

1991 ging Stain, um Little Anthony wiederzubeleben, und wurde durch Nathaniel Best, geboren am 13. Dezember 1960 in Miami, Florida, ersetzt. Das Album Emotionally Yours mit dem Titelsong von Bob Dylan, den sie beim Konzert zu Dylans 30. Bühnenjubiläum im Oktober 1992 im Madison Square Garden jubilierten, trug ihnen zu Beginn der Neunziger abermals das Prädikat "Outstanding Vocal Group" ein. Doch obgleich es ihr Album Heartbreaker (1993) noch einmal unter die Top Ten der R&B-Charts brachte, sank ihr Marktwert. Leverts Söhne Gerald und Sean hatten 1986 die Gruppe Levert gegründet und waren nun mit Rap und Hip Hop gut im Geschäft.


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