Karl DansonDer Jazz ist immer wieder intellektualisiert worden, doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Musikform stets auch eine Tanzmusik Das gilt auch für die neueste Generation des Groove-Jazz, die sich im vergangenen halben Jahrzehnt gebildet hat und die unter anderem von Blue-Note-Künstlern wie Medeski, Martin & Wood und Charlie Hunter angeführt wird. Auch der Saxophonist und Flötist Karl Denson dürfte sich in diesem Gruppenkontext wohlfühlen - zeigt doch sein Blue-Note-Debüt "Dance Lesson #2" ,dass er nichts unversucht lässt, um Körper in Bewegung zu setzen. "Ich betrachte den Jazz als eine Ausdrucksform des Tanzes", stellt Denson grundsätzlich klar. "Deshalb habe ich immer versucht, das tänzerische Element in meiner Musik herauszuarbeiten. Und da ist es für mich natürlich unglaublich, wie stark der neue Jazz das amerikanische Publikum in seinen Bann zieht", so der Instrumentalist begeistert. Da trifft es sich natürlich umso besser, dass "Dance Lesson #2" einen selbstbewussten Richtungswechsel in der Karriere des Musikers markiert, der in früheren Jahren vor allem als Tour- und Studiomusiker von Lenny Kravitz und mit der Band Greyboy Allstars spielte. "'Dance Lesson #2' ist der konsequente nächste Schritt. Ich habe mit Lenny und Greyboy gearbeitet, aber jetzt ist es an der Zeit, dass ich mich auf mich selbst besinne." Densons musikalische Handschrift entwickelte sich parallel zu seiner geradlinigen Biographie. Das Saxophonspiel begann er als Dreizehnjähriger in Südkalifornien. Seine Brüder und Schwestern hörten zu dieser Zeit ununterbrochen Motown, Soul und Funk; wenig später wurde der älteste Bruder jedoch zum Jazzfan. "Er hörte sich meistens die späten John Coltrane-Platten an", erinnert sich Denson. "Wir hatten eine anständige Stereoanlage in der Garage stehen, und ich hörte ihn mir aufmerksam an, weil jeder sagte, dass Coltrane der beste Saxspieler überhaupt sei." Später beschäftigte Denson sich dann genauso intensiv mit Yusef Lateef, Fathead Newman, Rahsaan Roland Kirk und Eddie Harris. "Diese Jungs hatten großen Einfluss auf mich, aber das kann man von James Brown, Sly Stone und den Ohio Players natürlich auch sagen." Denson machte sich auf dem College mit der Bebop-Stilistik vertraut und hatte zu Beginn der achtziger Jahre eine Free Jazz-Phase. Aber: "Ich bemerkte, dass keine Frauen zu den Auftritten kamen, wenn ich diese Musik spielte. Ich entschloss mich dann, Jazz für ein größeres Publikum zu spielen." Ab da bildete stets ein kerniger Groove die Basis von Densons Stil: So gründete er zu Beginn der neunziger Jahre einige akustische Bands, die die Tanzbarkeit ihres Repertoires jeden Abend in südkalifornischen Clubs auf die Probe stellten. Dann folgten Densons Engagement bei Lenny Kravitz (auf dessen Alben "Let Love Rule" und "Mama Said" er zu hören ist) und einige Akustik-Alben für das deutsche Jazzlabel Minor Music. Richtig populär indes wurde Denson erst durch seine Zusammenarbeit mit DJ Greyboy auf "Freestylin'" und den im Anschluß formierten The Greyboy Allstars, die in den USA der späten Neunziger eine zweite Welle der Acid Jazz-Begeisterung auslösten. Mit "West Coast Boogaloo" und "A Town Called Earth" erschienen zwei vielbeachtete Alben; auseinanderdriftende Interessen führten aber schließlich 1998 zum Split der Formation. "Ich bin ein Jazz-Historiker, kein Rock-Historiker. Ich habe immer an der Entwicklung eines Jazz-Hybriden mit Soul- und Funk-Einflüssen gearbeitet, nicht an einem Rock-Hybriden mit Jazz-Einfluss. Das ist ein großer Unterschied." Und diesen Unterschied merkt man seiner Werken definitiv an.
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