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Keb Darge :The Godfather of digging
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Video-Interview mit Keb Darge in 5 Teilen

Northern Soul & Deep Funk Teil 1

Ich heiße Keb Darge, bin Schotte und ich bin Disco-Jockey. Ich spiele Funk und Soul. Sonst nix.keb-and-colla-tall

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Der 48jährige Schotte Keb Darge legt seit über 30 Jahren seltene Funk- und Soul-Musik in Clubs rund um den Globus auf. Begonnen hat seine Karriere in den 70er Jahren in der Northern-Soul -Scene im Norden Englands.

Die Northern-Soul-Djs waren obsessive Plattensammler und sie rockten ihre Parties mit Soul-45s aus dem amerikanischen Underground der 60er Jahre.

Meine ältere Schwester war ein Mod in den 60ern. Durch sie lernte ich das ganze Motown-, Atlantic- und James Brown-Zeug kennen. Mir gefiel das. Sie wurde dann allerdings ein Hippie und verlor das Interesse.

Ich war eher ein agressiver Schüler. Einmal kam ich ins Krankenhaus, weil ich ein paar auf die Nuss bekam. der Typ sagte: "Das ist Teak-Won-Do!". also fing ich an Teak-Won-Do zu trainieren in einem Militärcamp. 1972 war dann dort eine Weihnachtsfeier. Da gingen ein Paar Typen zum DJ und sagten: "Kannst du bitte diese 45s hier spielen ?" Ich kannte diese Musik nicht und dachte" Was ist das für krasses Zeug ? Sie fingen an mit Breaking & Spinning und die Typen tanzten. Das waren Engländer, denn in der Gegend waren viele englische Militärcamps. Sie erzählten, das sie in die Clubs in Nordengland gingen, wo man diese Undergroundmusik die ganze Nacht spielte.

Sie tanzten bis zum frühen Morgen und fuhren dann wieder nach Hause. " Kann ich mitkommem?" fragte ich. So fing alles an. Wigan Casino war der größte Laden damals. Ich liebte es. Es war damals eine Underground-Szene. Ich fand es sehr aufregend, also machte ich mit. Wo ich lebte hörte man nur normalen Pop. Also fing ich an die Platten zu kaufen, damit ich diese Musik Zuhause hören konnte. Bis nach Wigan war es für mich jedes Wochenende eine 12-Stunden-Reise. In den Clubs waren Plattenstände, wo die Typen 45s verkauften.

Ich realisierte die Methode, dass die Typen in den USA billig die 45s einkauften, um sie in den Clubs für ein Wochenlohn zu verticken. Also plante ich auch einen Trip in die USA und suchte dort nach Tunes. Man bekam dort 10 Scheiben für einen Dollar. Ich kaufte Funk, Soul, Northern, Deep Soul und nahm die Sachen mit nach England.

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Bei seinen Einkaufstrips durch die USA kaufte Keb Darge auch große Mengen obscurer Funk-Platten. Sie passten allerdings nicht in den Northern-Style und fanden daher in seinen DJ-Sets keine Verwendung. Kistenweise standen diese scheiben in seiner Wohnung herum und niemand beachtete sie. Doch eines schönen Tages wurden die Kisten plötzlich interessant.

1977 war meine erste Scheidung und ich musste meine ganze Northern-Sammlung verkaufen. Was sollte ich nun auflegen, war die Frage ! Eines Tages gab mir ein Nachbar ein Tape mit realer funk-Musik. " Das Zeug ist gut. Woher hast du das?" fragte ich ihn. Er antwortete : " Aus deinem Loft ". Da waren immer noch hunderte oder tausende von Platten in dem Loft und ich fing an die guten Funk-Sachen zu picken und sie aufzulegen. Ich versuchte auch die alten Northern-Platten wiederzukaufen, aber die Preise waren verrückt. Daher wusste ich, das ich kein Northern-DJ mehr sein konnte und ging daher in die Funk-Richtung. Ich fuhr wieder in die USA und diggte das ganze Funk-Zeug bevor jemand anderes auf die Idee kam. Die Rare-Groove-Szene z.B. waren ja alles Kinder. Die hatten keine Ahnung wie man seltene Platten diggt. Ich hatte dieses Know-How durch die Northern-Soul-Szene bekommen. Die Rare-Groove-Jungs suchten immer nur auf dem Ladentisch nach Platten. Bis nach weiter unten drangen sie gar nicht vor. Das machte ich aber und es hat viel Spaß gemacht.

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Die londoner Rare-Groove-Scene begann sich Ende der 80er Jahre auch für seltenen Funk zu interessieren. Doch so deep wie Keb Darge tauchten sie nicht in die Funk-Musik ein. Um sich abzugrenzen, gab Keb seinen DJ-Sets den Namen Deep Funk. Dieser Name hat sich mittlerweile als festes Genre etabliert.

Als ich damals aus Japan zurückkam, machten wir in London im White Club eine Partyreihe, die sehr populär wurde. Ich wurde aber schlecht bezahlt, daher brauchte ich Kohle. Ich tat mich mit einem Kollegen zusammen, der der sich auch in der Clubszene auskannte. Er kam auf diese ganzen dämlichen, trendy Namen wie (......)

Ich meinte, dass man den Leuten sagen muss, was für Musik es ist. Es ist Funk. Nur das es etwas "tiefer" reingeht. " Nennen wir es doch Deep-Funk", sagten wir und das war der Name für die Partyreihe. Er sollte den leuten eine Ahnung davon geben, was wir spielen. Denn beim Namen Funk denken viele an z.B. Rick James, dessen Musik ja ok ist, aber auch sehr poppig und kommerziell. Das spielten wir nicht, sondern die richtige Underground-Black-Music. Der Name beschrieb also, was wir spielten.

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Als Deep Funk bezeichnet man heute Funk-Tunes von hoher musikalischer Qualität, die aber in den 60er und 70er Jahren kommerziell erfolglos blieben. Sie wurden von independent Plattenlabels auf den US-Markt geworfen, um aus dem Erfolg von Künstlern wie James Brown oder The Meters selbst Profit zu machen. Warum diese Platten keinen komerziellen Erfolg erzielten, ist schwierig zu erklären..

Viele Sachen spielen dort eine Rolle.

Erst einmal war auf dem Markt nur Platz für die paar erfolgreichen Künstler. Selbst Künstler wie Curtis Mayfield.....der Markt in den USA war begrenzt. Ich traf Producer in North Carolina, die hatten keine Ahnung was in den 70ern abging, in Texas, New York oder New Jersey. Sie machten Funk-Platten, wussten aber noch nicht einmal, was im nächsten Bundesstaat abging. Die meisten sahen James Brown im TV und dachten sich:"Das kann ich auch!" Daher legten sie ihre Kohle zusamme, gingen ins Studio und machten eine Platte. Dann bekamen sie einen Gig in einer lokalen Bar, wo sie ihre 50 Kopien verkauften und hofften, dass jemand aus der Musikindustrie sie entdeckt. So lief das.

Dann gingen sie zurück zu ihren eigentlichen Jobs. Es gab viele, die eine Platte als Versuch rausbrachten mit all diesen guten Ideen im Kopf. Sie machten großartige Platten, hatten aber nicht den Kontakt. Sie hatten auch nicht das Geld und die Zeit die großen Firmen abzuklappern. Sie mussten ihren Job machen. Daher waren sie am Ende enttäuscht. Das waren bestimmt 90% von ihnen. Und die großen Firmen......ein Typ arbeitete mit George Clinton. Er performte mit ihm in Detroit und machte viel Kohle. Mit der Kohle machte er eine Platte, die übrigens eine meiner Lieblingsplatten ist. Ich konnte nie begreifen, wie eine Platte so gut sein kann. Sie kostet 3000 Pfund und ich kaufte sie mir.

Ich traf diesen Typen. Er sagte, dass sie mit der Platte in die Plattenläden und in Radio-Shows gingen. Man fing an die Platte zu spielen. Dann meldete sich Berry Gordon von Motown und sagte :"Wenn ihr diese Platte in eurer Sendung spielt, bekommt ihr keine Platten mehr von uns. Zerstört die Kopie !" Sie gingen auch die ganzen Plattenläden ab und sagten :"Zerstört dies Platte oder ihr bekommt nichts mehr von Motown !"Motown und die anderen Großen zerstörten also die Kleinen, wil sie keine Konkurrenz wollten. Viele von denen waren wirklich Gangster. (....)