Video-Interview mit Keb Darge in 5 TeilenNorthern Soul & Deep Funk Teil 1
Ich heiße Keb Darge, bin Schotte und ich bin Disco-Jockey. Ich spiele Funk und Soul. Sonst nix. (OFF) Der 48jährige Schotte Keb Darge legt seit über 30 Jahren seltene Funk- und Soul-Musik in Clubs rund um den Globus auf. Begonnen hat seine Karriere in den 70er Jahren in der Northern-Soul -Scene im Norden Englands. Die Northern-Soul-Djs waren obsessive Plattensammler und sie rockten ihre Parties mit Soul-45s aus dem amerikanischen Underground der 60er Jahre. Meine ältere Schwester war ein Mod in den 60ern. Durch sie lernte ich das ganze Motown-, Atlantic- und James Brown-Zeug kennen. Mir gefiel das. Sie wurde dann allerdings ein Hippie und verlor das Interesse. Ich war eher ein agressiver Schüler. Einmal kam ich ins Krankenhaus, weil ich ein paar auf die Nuss bekam. der Typ sagte: "Das ist Teak-Won-Do!". also fing ich an Teak-Won-Do zu trainieren in einem Militärcamp. 1972 war dann dort eine Weihnachtsfeier. Da gingen ein Paar Typen zum DJ und sagten: "Kannst du bitte diese 45s hier spielen ?" Ich kannte diese Musik nicht und dachte" Was ist das für krasses Zeug ? Sie fingen an mit Breaking & Spinning und die Typen tanzten. Das waren Engländer, denn in der Gegend waren viele englische Militärcamps. Sie erzählten, das sie in die Clubs in Nordengland gingen, wo man diese Undergroundmusik die ganze Nacht spielte. Sie tanzten bis zum frühen Morgen und fuhren dann wieder nach Hause. " Kann ich mitkommem?" fragte ich. So fing alles an. Wigan Casino war der größte Laden damals. Ich liebte es. Es war damals eine Underground-Szene. Ich fand es sehr aufregend, also machte ich mit. Wo ich lebte hörte man nur normalen Pop. Also fing ich an die Platten zu kaufen, damit ich diese Musik Zuhause hören konnte. Bis nach Wigan war es für mich jedes Wochenende eine 12-Stunden-Reise. In den Clubs waren Plattenstände, wo die Typen 45s verkauften. Ich realisierte die Methode, dass die Typen in den USA billig die 45s einkauften, um sie in den Clubs für ein Wochenlohn zu verticken. Also plante ich auch einen Trip in die USA und suchte dort nach Tunes. Man bekam dort 10 Scheiben für einen Dollar. Ich kaufte Funk, Soul, Northern, Deep Soul und nahm die Sachen mit nach England. (OFF) Bei seinen Einkaufstrips durch die USA kaufte Keb Darge auch große Mengen obscurer Funk-Platten. Sie passten allerdings nicht in den Northern-Style und fanden daher in seinen DJ-Sets keine Verwendung. Kistenweise standen diese scheiben in seiner Wohnung herum und niemand beachtete sie. Doch eines schönen Tages wurden die Kisten plötzlich interessant. 1977 war meine erste Scheidung und ich musste meine ganze Northern-Sammlung verkaufen. Was sollte ich nun auflegen, war die Frage ! Eines Tages gab mir ein Nachbar ein Tape mit realer funk-Musik. " Das Zeug ist gut. Woher hast du das?" fragte ich ihn. Er antwortete : " Aus deinem Loft ". Da waren immer noch hunderte oder tausende von Platten in dem Loft und ich fing an die guten Funk-Sachen zu picken und sie aufzulegen. Ich versuchte auch die alten Northern-Platten wiederzukaufen, aber die Preise waren verrückt. Daher wusste ich, das ich kein Northern-DJ mehr sein konnte und ging daher in die Funk-Richtung. Ich fuhr wieder in die USA und diggte das ganze Funk-Zeug bevor jemand anderes auf die Idee kam. Die Rare-Groove-Szene z.B. waren ja alles Kinder. Die hatten keine Ahnung wie man seltene Platten diggt. Ich hatte dieses Know-How durch die Northern-Soul-Szene bekommen. Die Rare-Groove-Jungs suchten immer nur auf dem Ladentisch nach Platten. Bis nach weiter unten drangen sie gar nicht vor. Das machte ich aber und es hat viel Spaß gemacht. (OFF) Die londoner Rare-Groove-Scene begann sich Ende der 80er Jahre auch für seltenen Funk zu interessieren. Doch so deep wie Keb Darge tauchten sie nicht in die Funk-Musik ein. Um sich abzugrenzen, gab Keb seinen DJ-Sets den Namen Deep Funk. Dieser Name hat sich mittlerweile als festes Genre etabliert. Als ich damals aus Japan zurückkam, machten wir in London im White Club eine Partyreihe, die sehr populär wurde. Ich wurde aber schlecht bezahlt, daher brauchte ich Kohle. Ich tat mich mit einem Kollegen zusammen, der der sich auch in der Clubszene auskannte. Er kam auf diese ganzen dämlichen, trendy Namen wie (......) Ich meinte, dass man den Leuten sagen muss, was für Musik es ist. Es ist Funk. Nur das es etwas "tiefer" reingeht. " Nennen wir es doch Deep-Funk", sagten wir und das war der Name für die Partyreihe. Er sollte den leuten eine Ahnung davon geben, was wir spielen. Denn beim Namen Funk denken viele an z.B. Rick James, dessen Musik ja ok ist, aber auch sehr poppig und kommerziell. Das spielten wir nicht, sondern die richtige Underground-Black-Music. Der Name beschrieb also, was wir spielten. (OFF) Als Deep Funk bezeichnet man heute Funk-Tunes von hoher musikalischer Qualität, die aber in den 60er und 70er Jahren kommerziell erfolglos blieben. Sie wurden von independent Plattenlabels auf den US-Markt geworfen, um aus dem Erfolg von Künstlern wie James Brown oder The Meters selbst Profit zu machen. Warum diese Platten keinen komerziellen Erfolg erzielten, ist schwierig zu erklären.. Viele Sachen spielen dort eine Rolle. Erst einmal war auf dem Markt nur Platz für die paar erfolgreichen Künstler. Selbst Künstler wie Curtis Mayfield.....der Markt in den USA war begrenzt. Ich traf Producer in North Carolina, die hatten keine Ahnung was in den 70ern abging, in Texas, New York oder New Jersey. Sie machten Funk-Platten, wussten aber noch nicht einmal, was im nächsten Bundesstaat abging. Die meisten sahen James Brown im TV und dachten sich:"Das kann ich auch!" Daher legten sie ihre Kohle zusamme, gingen ins Studio und machten eine Platte. Dann bekamen sie einen Gig in einer lokalen Bar, wo sie ihre 50 Kopien verkauften und hofften, dass jemand aus der Musikindustrie sie entdeckt. So lief das. Dann gingen sie zurück zu ihren eigentlichen Jobs. Es gab viele, die eine Platte als Versuch rausbrachten mit all diesen guten Ideen im Kopf. Sie machten großartige Platten, hatten aber nicht den Kontakt. Sie hatten auch nicht das Geld und die Zeit die großen Firmen abzuklappern. Sie mussten ihren Job machen. Daher waren sie am Ende enttäuscht. Das waren bestimmt 90% von ihnen. Und die großen Firmen......ein Typ arbeitete mit George Clinton. Er performte mit ihm in Detroit und machte viel Kohle. Mit der Kohle machte er eine Platte, die übrigens eine meiner Lieblingsplatten ist. Ich konnte nie begreifen, wie eine Platte so gut sein kann. Sie kostet 3000 Pfund und ich kaufte sie mir. Ich traf diesen Typen. Er sagte, dass sie mit der Platte in die Plattenläden und in Radio-Shows gingen. Man fing an die Platte zu spielen. Dann meldete sich Berry Gordon von Motown und sagte :"Wenn ihr diese Platte in eurer Sendung spielt, bekommt ihr keine Platten mehr von uns. Zerstört die Kopie !" Sie gingen auch die ganzen Plattenläden ab und sagten :"Zerstört dies Platte oder ihr bekommt nichts mehr von Motown !"Motown und die anderen Großen zerstörten also die Kleinen, wil sie keine Konkurrenz wollten. Viele von denen waren wirklich Gangster. (....)
Rare Groove & Acid Jazz
(OFF) Nicht nur Keb Darge hatte gemerkt, dass man mit Funk-Music die Tanzflächen rocken kann. Auch die Londoner Rare-Groove und Acid-Jazz-Szenen hatten den Funk entdeckt und schwebten Anfang der 90er Jahre auf ihrem Erfolgshöhepunkt. Natürlich nahmen auch diese Jungs sich vor heftigst in the crates zu diggen. Für Keb Darge war das aber keine ernstzunehmende Konkurrenz. Roy, einer von diesen großen Rare-Groove-Jungs eröffnete einen Plattenladen. Er annoncierte in einer Musikzeitung, dass er Tausende rarer 45s im Angebot habe. Ich ging natürlich sofort in den Laden. Er hatte die ganzen 45s auf dem Ladentisch. Ich so :“Hallo, bla bla bla…! Kann ich mal deine Platten durchsehen!“ In der Northern-Szene hatte man die allgemeinen Sachen auf dem Tisch und die seltenen Sachen unter dem Tisch. Oft hatte man eine Knarre daneben liegen, damit niemand die seltenen Sachen klaut. Ich ging also seine allgemeinen Sachen durch und fragte ihn: „Wo sind denn deine raren Platten?“ Er antwortete:“ Das sind die raren Platten!“ Ich sah unter den Tisch und er so:“ Nein, nein. Das ist wirklich mein rares Zeug!“ „ Was ist den der größte Tune eurer Rare-Groove-Szene ?“ fragte ich. „ Das willst du gar nicht wissen“ ,sagte er, „davon gibt es nur eine Kopie!“ „ Wie heißt das Ding ? “ fragte ich. „G`wan“-„ Ach, Mark III Trio! Das ist doch Nummer 1016 auf dem Label “, sagte ich. Er sah nach und sagte:“ Jesus Christus. Woher kennt dieser Typ die Plattennummer?“ „ Wie viele Kopien brauchst du mein Sohn? “ fragte ich. „Nein,nein! Da gibt es doch nur die eine von“, antwortete er. „Nein, nein“ sagte ich. Denn zwei Wochen vorher traf ich einen Typen vom Label in Detroit, der hatte tausende Kopien dieser Platten. Und diese Rare-Groove-Jungs dachten, dass sie ein Unikat haben. „ Gib mir deine Telefonnummer, dann besorge ich dir ein paar Kopien!“ Roy war dann sehr schnell und tauchte tiefer ein. Der Rest vom Rare-Groove war aber einfach nur so eine Trend-Sache. (…) Viele wechselten in eine andere Szene, weil Rare-Groove ihnen einfach nicht mehr trendy genug war. Roy war der einzige von ihnen der dabeiblieb. Er musste aber den Laden aufgeben als Platten gestohlen wurden. Rare-Groove sollte eigentlich heißen: Relativ leicht zu finden in jeden US-Plattenladen. Sie tauchten nicht tiefer in die Musik ein. (OFF) Trotz ihres fehlenden Spezialwissens gelangten auch Rare-Groove-Jungs an den ein oder anderen raren Tune. Das sorgte bei Keb Darge zunächst für Verwunderung. Doch schnell kam er hinter das Geheimnis ihrer seltenen Scheiben. Ich konnte nicht glauben, dass die Rare-Groove-Jungs Platten spielten wie Leroy & The Drivers oder The Believers. Ich fragte mich, wie diese Idioten an solche Platten kommen konnten, denn diese Platten sind rar. Ein paar Jahre später sprach ich mit diesem Mann, der einer der hässlichsten Menschen auf unserem Planeten ist. Er ist über 50 und hat drei Häuser voll Platten. Er verkauft immer Platten auf dem Camden Market und bringt die Kohle dann zu Prostituierten. Er ist absolut chancenlos im Hinblick auf Heiraten. Ich fragte ihn:“ George, hast du Kopien von Leroy & The Drivers?“ „ Oh ja, hatte ich mal. Ich verkaufte sie in den 80ern in London“, sagte er. „ Was ist mit The Impassions? “- „ Habe ich auch da verkauft! “etc. Und jede von diesen seltenen Platten der Rare-Groove-Jungs kam von George durch sein verlangen nach Prostituierten. Das ist eine Tatsache. (OFF) Auch für den Funk der Acid-Jazz-Welle kann Keb Darge sich nicht begeistern. Er richtet an sie den gleichen Vorwurf wie an die Rare-Groove-Szene. Acid Jazz, das ist Eddie Piller . Funk und Soul wird immer populär sein. Auch in 1000 Jahren. Sie haben realisiert wie gut diese Musik ist. Aber auch hier wieder: Sie haben einfach nicht das wissen. Daher kamen sie mit einer Wischi-Waschi-Form dieser Musik heraus. Sie sind nicht tief genug eingestiegen. Daher machten sie Brand New Heavies und die ganzen anderen Cover-Versionen von dieser Art Musik. Ich denke der punkt ist, dass man deeper gehen muss. Ich denke sowohl Rare-Groove als auch Acid Jazz wollten den deepen Stuff spielen. Aber sie wussten nicht, dass er existiert. Daher spielten sie das, was sie für den deepen Stuff hielten. (OFF) Keb Darge hat es geschafft bis zu dem deepen Stuff der Funk-Musik vorzudringen. Eine besondere Vorgehensweise oder Erfolgsmethode beim Plattendiggen verfolgt er allerdings nicht. Nein, da ist keine wirkliche Methode dahinter…. Mit Kenny Dope ging ich z.B. Plattenkiste von dieser Größe durch. Weil ich das ganze Wissen über Labels habe, denn ich habe in den USA Millionen von Platten angehört, kann ich durch eine Box in einer Minute durchgehen. Kenny braucht dafür eine Stunde, denn er hört sich viele Sachen an, die er nie zuvor gehört hat. Es geht also um Erfahrung. Ich habe so viele Platten gesehen. Ich hatte jede Black-Music-Platte, die in Amerika gemacht wurde, in der Hand. Ich habe die Scheiben gehört und kenne die Labels. Man muss aber nicht nur Labels und Producer kennen. Wenn man eine Platte in der Hand hat, muss man wissen “ Diese ist gut, diese ist Schrott etc. “ Findet man eine Platte die man noch nie vorher sah, weiß man das sie rar ist. Denn man war ja schon überall und hat eben diese Platte noch nirgends gesehen. Also muss sie rar sein. (OFF) Mit seinem Know-How über Funk-Musik verblüffte Keb Darge sogar Genregrößen wie Curtis Mayfield oder Isaac Hayes . Besonders beim Black Moses dürfte der kantige Schotte einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Bei Curtis Mayfield ging es nicht um Plattensuchen. Es ging um eine Popgruppe: The Blow Monkeys. Nein die waren es nicht. Es waren Dr. Robot. Sie machten eine Pop-Platte mit Curtis Mayfield am Gesang. Dr.Robot musste ein alter Northern-Soul-Typ sein und sie wollten Tänzer für ein Video mit Curtis Mayfield. Daher riefen sie mich an, denn ich war ein guter Tänzer zu der Zeit. Also war ich im Video dabei. Dabei konnte ich mich Curtis über Platten sprechen und er fragte bei jeder Platte: „Wie kannst du das wissen, unglaublich?“ Mit Isaac Hayes war es noch besser. Er hatte einen Auftritt und ich war im Vorraum als DJ. Im Vorfeld war er mit seinem Manager auf der Bühne und ging zu ihm mit einer Kopie von Ascots. Das war seine erste Plattenaufnahme und er war erst 15. Sein Name steht nicht auf der Platte. Sie ist wirklich rar und nur Sammler wissen, dass er drauf singt. Ich ging zu ihm und fragte: „Können sie meine platte signieren?“ Seine Hand kam und ich konnte fühlen, das er die Platte Shaft erwartete. Er nahm meine Platte und Rief: “ Howie, sieh dir das an! Woher wusstest du, das ich dabei bin. Ich war 15.“ Dann liefen ihm die Tränen runter und er fragte:“ Kannst du diese Platte für mich spielen? Das war die erste Platte, die ich je gemacht habe. Wie konntest du das wissen? “ – „ Ich bin einer deiner größten Fans“, sagte ich. Das ist die einzige Platte, die ich von ihm habe. Das war sehr nett. Er hatte einen Schock. Nicht einmal er selbst hatte diese Aufnahme noch im Kopf. George Clinton ist auch einer dieser Leute. Sie starteten in dieser Zeit und verkauften später Millionen Platten. Aber diese Periode berührt sie einfach ein bisschen mehr. Mit Curtis Mayfield traf ich mich noch einige male. Als ich ihm die Northern-Soul-Szene erklärte, konnte er es kaum glauben : „ So viele Leute hören wirklich unsere Musik aus dieser Epoche ? So etwas ist in den USA nie passiert! “ Das passierte auch nirgends, nur im Norden von England. Ein seltsames Phänomen!
HipHop & Sampling
(OFF) Als langjähriger Funk & Soul-Kenner hat Keb Daege natürlich auch die HipHop-Kultur von Anfang an begleitet. Wer aber erwartet, dass er auch ein großer HipHop-fan ist, der täuscht sich. Rap mag er nicht und er vermutet sogar, das die Rapper der Black Music den Soul ausgetrieben haben. Eine Kombination aus Michael Jackson und Rappern hat die Soul-Music zerstört. Man pusht das „schwarz sein“, nach dem Motto: Wenn du schwarz bist, musst du das hören, sonst bist du nicht mehr schwarz! Für mich hat diese Musik kein souliges Gefühl mehr. In den 70ern kamen ja die politischen Platten auf, von denen auch Curtis einige gemacht hat. Für uns bedeutete das aber nichts. Die Bürgerrechtsbewegung spielte für uns keine Rolle. Wenn man aber die Musik dazu hörte, konnte man das doch nachfühlen. Doch dann wurde alles zu… keine Ahnung! Bei HipHop wurde mir zu sehr ein Image forciert. Einige sind sehr nett. Ich mag kein Rap. Schon als die Sugar Hill Band zum ersten Mal in England spielte: „Rappers Delight“. Ich dachte: „Was ist denn das ? Diese Jungs können noch nicht mal singen. Ist das ein Gimmick?“ Genau das selbe passierte in England mit den 12“-Singles. Ich mochte es noch nie. Es ist mir zu erfunden. HipHop erschien mir immer zu konstruiert. Es ist kein natürliches Gefühl. Keine ahnung. Es ruft bei mir kein Wohlfühlen hervor. HipHop erschien mir immer als „Big Business“. Ich hab mit den ganzen Jungs herumgehangen… Pete Rock etc. Sie machen gute Sachen. Ich mag die Sachen, die er sampelt. Aber wenn man sich mit ihm unterhält, ist das irgendwie zu businessmäßig…keine Ahnung! Es fehlt mir da etwas Feeling. Ich weiß nicht, wie ich das in Worte fassen soll. (OFF) Obwohl Keb nicht auf HipHop abfährt, genießt er bei Beatbastlern wie Kenny Dope, RZA oder Pete Rock großen Respekt und er ist mit vielen Producern befreundet. Das er ihren HipHop-Sound nicht mag, stört dabei nicht. Sie wissen, das ich das Zeug nicht mag. Als Kenny mir das erste Mal Sachen vorspielte, sagte ich, dass es Scheiße ist. Ich bin nur ehrlich. Als Pete Rock vorbeikam, war klar, dass ich nicht auf HipHop stehe. Aber Pete ist ein guter Junge, der Doo-Wop und 40er-Sachen hörte. Viele dieser großen HipHop-Jungs suchen nur nach den Breaks und hören nicht das ganze Spektrum von guter Musik. Sie hören nur Breaks, Breaks, Breaks, weil sie das Ganze von einer Business-Perspektive sehen. Aber Pete Rock hört sich die Doo-Wop Sachen der 50er an und sagt:“ Höre dir mal diese Vocals an!“ Er hat ein gutes Gehör. Er ist nicht gekränkt, wenn jemand kein HipHop mag. Ich bin auch nicht beleidigt, wenn jemand nicht auf Funk steht. (OFF) Logischerweise würden eine Menge HipHop-Producer sich gerne mal durch Kebs Plattensammlung sampeln. Seine Heiligen Vinyl-Hallen hat aber erst ein Producer systematisch nach Breaks durchforstet. Spinna war der Einzige, der mit seinem Dat-Recorder vorbeikam. Er verbrachte 7 Stunden damit Platten aufzunehmen. Der Rest der Jungs fragt mich eher:“ Kannst du mir eine CD aufnehmen? Mit ein paar Braks?“ Denn es sind zu viele Platten für die Jungs, um sie alle nach Breaks zu durchforsten. Daher wollen sie, dass ich es mache. Meistens hab ich nicht die Zeit und sage:“ warte bis die Compilation rauskommt. Dann kannst du sampeln.“ Spinna war also wirklich der Einzige, der bei mir die ganzen platten aufnahm. Die anderen wollten immer gerne Aufnahmen, aber ich habe ihnen nie welche gemacht. (OFF) Mit den meisten HipHop-Producern verbindet Keb die Liebe zur Funk-Musik und sind daher oftmals Seelenverwandte. Ein Producer sticht dabei heraus, denn er verfügt über das größte Funk-Knowledge. Sein Name: Josh Davis aka DJ Shadow. Als ich Josh zum ersten Mal traf, wusste ich nicht, dass er DJ Shadow ist. Ich verkaufte auf dem Camden Market Tapes und Platten. Auf den Kassetten waren Namen aus dem US-Bürgerkrieg als Künstler drauf. Dann kamen diese ganzen Acid-Jazz-Typen und erzählten, dass sie die Namen kennen und Alben davon besitzen. Diese verdammten Lügner!. Dann kam der US-Boy Josh vorbei. Er hörte die Kassette und sagte: „ Der Titel stimmt nicht. Das ist doch Arthur Monday oder ?“ Da wusste ich das er ein Freund ist, weil er sich auskannte. Wir hingen dann rum für ein Jahr. Ein Jahr später waren wir im Ballroom und die Leute sagten; „ DJ Shadow ist auch da!“ Ich fragte:“ Josh, wer ist denn dieser DJ Shadow?“-„Das bin ich“, antwortete er. Er ist ein netter Typ. Ich war bei ihm und er saß die ganze Zeit vor dem Telefonbuch und ruft alle passenden Namen an. Thompson zum Beispiel;“ Hast du irgendwas mit dieser Platte zu tun?“-„Nein“-„Hast du?“ -„Nein“-„Hast du?“-„Ja, das ist mein Onkel Bob. Ich gebe dir seine Nummer!“ Dann ruft er Onkel Bob an, steigt in das Auto und fährt nach Tennessee, um den Typ zu treffen. Der Typ geht in sein Loft und sagt:“ Wir haben noch 5 Platten gemacht, aber sie nie veröffentlicht! Willst du sie haben?“ Das ist Josh. Dante aus Chicago gehört noch dazu. Sie arbeiten als Team. Sie bekommen eine Menge Tunes, zu denen auch ich keinen Zugang habe. Sie haben viel unveröffentlichtes Zeug am Start. Josh hat auf jeden Fall das größte Fachwissen in den USA. (OFF) Mit Josh Davis brachte Keb Darge bereits 1999 die Compilation „ Funk Spectrum“ heraus, der noch zwei weitere Sequels folgten. Seine aktuelle Compilation „ King of Funk“ srellte er 2005 mit dem Wu-Tang-Mastermind RZA zusammen. Das Konzept der Platte war denkbar einfach: Das Konzept war abzuwarten, was RZA auswählt und dann mein Zeug dazu zu packen. Das ist ok! Er pickte die klassischen Album-Sachen, die nicht so rar sind. Also diggte ich sehr deep, um die Balance herzustellen. Das klassische Zeug ist schon ok. Aber man muss auch die Leute überall in der Welt erreichen, die mittlerweile das Know-How haben und Sammler sind. Die sind genauso wichtig wie die Neueinsteiger. Klassisches Zeug ist brilliant für Neueinsteiger, aber heutzutage auch viele schon weiter. Für die musste ich den real Stuff auf die Compilation bringen. Das ist das Konzept. Natürlich war es auch Konzept RZA an Bord zu holen und seinen Namen zu benutzen, um mehr Platten zu verkaufen. Er ist berühmt…völlig egal, was er auswählt…Hauptsache sein Name steht auf dem Album, um mehr Platten zu verkaufen. Das ist die wirkliche Wahrheit. Willst du die Wahrheit wissen? Es ist ein kompletter…..! Ich dachte, der kennt sich mit Material Arts aus. Als es um den Albumtext ging, sprachen wir über Material Arts, Wu-Tang Clan und das ganze Zeug. Ich dachte mir: „ Was erzählt der für einen Haufen Scheiße. Der hat gar keine Ahnung und vielleicht 3-4 Bücher gelesen und ein paar Material-Arts-Filme gesehen!“ Aber das hab ich ihm natürlich nicht gesagt. Ich war eher so:“Ach so. Du bist Jünger der 35sten Generation. Du erzählst Unsinn, oder RZA?“ Dann legte ich auf.
Djing & Collecting
(OFF) Keb Darge kauft LPs und 45s seit den Anfängen von Northern Soul in den frühen 70er Jahren. Man könnte daher annehmen, dass das Vinyl in seinem Haus zum Schornstein heraus quillt. Doch weit gefehlt. Ich habe nicht so viel Platten, denn ich bin zweimal geschieden. Ich habe viele Drecksjobs gemacht, um Platten kaufen zu können. Ich habe immer auch verkauft. Meistens den Schrott. Aber manchmal bietet jemand mir für eine gute Platte 1000 Pfund. Ich dachte: „ Wenn ich die jetzt verkaufe, kann ich von der Kohle drei andere gute Platten kaufen!“ So hab ich immer verkauft und wieder neu gekauft in den letzten Jahren. Die Steuer saß mir im Nacken, so dass ich Platten verkaufen musste. Daher hab ich nicht so viele Platten. Ein paar Tausend. Aber alles gute Platten. Die guten habe ich behalten. (OFF) Wie man sieht, kann Vinyl auch eine ernsthafte Kapitalanlage sein. Von angeberischen Plattensammlern ist Keb Darge allerdings völlig genervt. Die meisten von ihnen sind komplette Wichser. Ich spiele rare Platten, weil ich muss. Viele dieser Wichser spielen rare Platten, um zu zeigen:“ Seht mal, was ich habe. Das ist das Original Green Label!“ Wo ist das schon der Unterschied ? Ich bezeichne mich nicht als Plattensammler, sondern als jemand, der einen bestimmten Sound sucht. Die meisten Sammler sind wirklich langweilige Bastarde. Sie wollen nur zeigen, was sie alles haben. Auf der anderen Seite hast du Leute wie Josh oder Dante, die einen neuen Sound suchen, um ihn zu spielen, genauso Ian Wright. Sie sammeln, weil sie sich an der Musik erfreuen. Aber die Typen, die die Magazine kaufen und die Internetseiten checken und Stunden damit verbringen, Nachrichten im Internet zu schreiben wie :“ Das ist wahrscheinlich die Original Kopie von…!“ Ich weiß das und meine Kumpels auch. Aber darüber muss man doch nicht sprechen. Das ist Know-How, um die Sachen zu finden. Aber diese Typen labern nur. Sorry Jungs, ich habe wenig Bock auf Plattensammler. (OFF) Stellt man den Jäger des verlorenen Funkschatzes vor die Frage, ob er lieber eine Platte finden will, die er schon ewig sucht oder eine völlig unbekannte, ist seine Entscheidung klar. Eine finden, von der ich noch nie etwas gehört habe. Der Grund, warum ich rare Platten auflege, ist, weil ich einen aufregenden Sound will. Möglichst einen, von den noch niemand vorher gehört hat.(….) Ich würde mir wünschen bei HMV hereinzusehen, Platten zu picken und zu sagen: „ Das hört sich gut an!“ Aber in die meisten Plattenläden und Clubs gehe ich und denke :“ Mach diesen Scheiß aus!“ Selbst der gute neue Stuff ist im Vergleich zu den 7-Inches schlecht. In 3 Jahren ist dieses ganze Zeug vergessen. Aber man wird in 1000 Jahren noch James Brown oder Marvin Gaye hören. Das meiste HipHop-Zeug wird in 10 Jahren vergessen sein. Verschwunden für immer. Es ist hart für mich eine neue Platte zu kaufen. Ich wünschte das würde gehen. Daher muss ich weiterdiggen. Der Stuff, den ich heute auflege, ist sehr rar. Sonst hätte ich ihn ja früher schon einmal gespielt. Wenn ich den Tune früher gefunden hätte, hätte ich ihn auch früher gespielt. Ich will nicht unbedingt rare Platten spielen, sondern billige gute. Aber langsam verändert sich die Situation mit Daptone in New York oder Stones Throw in Los Angeles oder Osaka Monaurail aus Japan. Wenn du billige Samples suchst, die keiner kennt, check mal Osaka Monaurail aus Osaka. Sie isolieren die JB´s und machen daraus neue Tunes und Cover-Versionen. Dann gibt es da noch Kay-Dee Records. Da sind einige neue Labels in der Welt entstanden, die wieder Leben in den Funk und Soul bringen. (OFF) Ein DJ muss immer in der Lage sein, anständig das Haus zu rocken. Was ist das wichtigste Element was ein DJ braucht um die Crowds zum tanzen zu bringen. Eine Menge Drogen. Jemand der auf dem Klo Drogen verkauft, das könnte helfen….keine Ahnung! Die Menge ist an der Musik interessiert. Einmal spielte ich Funk vor einer Menge von Techno-Heads. Ich spielte was ich will. Wenn die Leute kein Bock darauf haben, dann FUCK-OFF! Ich denke, eine wichtige Sache ist, dass man Platten spielt, die man selbst mag. Wenn ich selbst Lust habe zu einer Platte zu tanzen, hat wahrscheinlich auch ein Anderer Bock dazu. Es gibt heute so viele Leute, die wollen DJ sein. Früher wollte man, dass die Leute die Platten hörten, die man hatte. Dann kam die beschissene Superstar-Einstellung hinzu und eine Menge Wichder überlegten, wie sie DJs werden könnten.“ Wir müssen den neuesten Shit spielen und coole Tricks draufhaben und zeigen, das wir Trendy sind!“ – Scheiß drauf! Das wurde auch schon in den 70ern in den Clubs gesagt :“ Hört euch diese Platten an, sie sind briliant !“ – Schrott! Für mich sind 99% der DJs auf diesem Planeten Scheiße, weil sie DJs sein wollen. Sie haben nicht das Gefühl für Musik. Ich lege einfach Platten auf. Da ist kein Style dabei. Mein Hauptding ist:“ Hört euch das hier an!“ Das ist meine Einstellung. Ich leg die Platte auf. Das ist alles, was ich mache. Ich spiele Platen, die ich für großartig halte. Das ist mein Style. Das ist alles. Früher legte ich Non-Stop meine Neuentdeckungen auf. Ich spielte eine Platte zwei oder drei Wochen und dann kam sie weg. Nur um den Typen zu beweisen, das es Millionen Platten gibt, die sie nicht kennen. Aber die Menge erkennt die Tunes nicht. Die Leute kommen einmal im Monat, im nächsten Monat kommen sie vielleicht gar nicht. Dann kommen sie mal wieder und bemerken nicht den Unterschied von den Sachen, die ich spiele. Daher spiele ich die Sachen ein paar Jahre lang. Anstatt 20 neue Scheiben pro Woche rauszuhauen, spielen wir eine oder zwei Neue pro Woche. Wir haben also den Wechsel verlangsamt. Das kommt uns auch entgegen, denn das finden von neuen Scheiben ist schwieriger geworden. Damals war es leichter neue Sachen zu finden. Ich mag keine großen Wechsel. Ich will, dass die Platten bei den Leuten wirken. Die Sets haben sich über die Jahre langsam verändert. Jede Platte läuft etwa 5 Jahre im Set, dann wird sie ausgetauscht. Wenn das natürlich Platten wären, die man bei HVM kaufen könnte und 1000 DJs sie Weltweit spielen würden, wäre es was anderes. Aber solange nur Ian und Josh die gleichen Platten wie ich spielen, kann das alles länger dauern. Denn die Leute können diese Platten nirgendwo anders hören. (OFF) Wer Keb Darge einmal Live an den Decks erleben möchte sollte bei seinen nächsten Londonbesuch bei Madame Jo Jo´s in Soho vorbeischauen. Hier macht Keb Darge jeden Freitag seine Deep Funk-Party und seine regelmäßigen Überraschungsgäste hauen auch jeden HipHop-Head förmlich vom Hocker. Madame Jo Jo ! Seit 10 Jahren lege ich jeden Freitag in Soho, London, im Club Madame Jo Jo´s auf. Ich liebe es. Jede Woche ist volles Haus. Jeder Gast hat Spaß an der Musik und die Leute kommen, weil sie mal eine Alternative haben wollen zu dem normalen Club-Ding. Und es muss wirklich gut sein. Denn Kenny, Questlove, Pete Rock und die ganzen Leute kamen alle rüber nach England, um dort aufzulegen. Sie rufen Freitags an :“ Ist es ok, wenn wir in deinem Club spielen ?“ Sie wollen auch keine Gage dafür. Sie wollen nur spielen, weil es ein großes Vergnügen ist. „Kommt an Start und spielt“ sagte ich. Ich versuche ihnen immer Geld zu bezahlen. Aber Josh und die Anderen sagten immer :“ Es ist großartig das Zeug hier zu spielen und ein Feedback darauf zu bekommen!“ Es sind immer Überraschungsgäste da. Vor ein paar Wochen waren es Madlib und Egon.
Contemporary Funk & Producing
Ich produziere auch Musik. Es ist aber nicht anährend so gut wie die Sachen von Daptone. Wenn ihr wirklich gute zeitgenössische Funk-Musik wollt, dann ist Daptone aus New York euer Label. Gabriel Roth ist ein Genie. Ich halte ihn für einen besseren Producer als James Brown. Jede Platte, die Gabe produzierte, ist brilliant. Ich müsste eigentlich jede Platte haben, die James Brown produzierte. 70% davon sind Durchschnitt und einige brilliant. Mit Curtis Mayfield ist es das Gleiche. Bei Gabriel Roth gibt es nichts Schlechtes. Jede seiner Platten ist gut. Er hat den Vorteil, dass er in die Geschichte gucken kann und hat die Fehler, die gemacht wurden, abgestellt. Er macht das sehr gut. Daptone ist für mich eines der besten Black-Music Labels, das es jemals gab. Und es ist brandneu. (OFF) Neben seiner Labelarbeit und dem Auflegen findet Keb Darge auch Zeit eigene Musik zu produzieren. So arbeitete er bereits mit der englischen New-Funk-Band „The New Mastersounds“ zusammen, für die er im Jahr 2001 eine LP produzierte. Vor ein paar Jahren habe ich mit BBE das Label „Deep Funk“ gestartet, wo auch The New Mastersounds drauf waren. Ich hab das Zeug immer selbst produziert. Aber BBE wollte selbst produzieren. Sie hatten das Geld und sagten: „ Es ist eine Ehre mit dir zu arbeiten.“ Egal. Wir machten das Album mit den New Mastersounds, aber sie pressten nicht genug Kopien. Sie überlegten, was sie mit den Geld machen sollten. Entweder weitere Platten pressen oder das Geld in die neue Platte von Jazzy Jeff stecken. Das war mein beschissenes Geld! (…) Ich mag BBE, aber manchmal sind sie etwas verwirrt was Geld betrifft. Daher stieg ich bei Kenny Dopes Label „Kay-Dee“ ein. (........) Quelle: Mixeryrawdeluxe
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