Motown Records
Gründer:
Berry Gordy Jr.
(* 28. November 1929 in Detroit)
Motown, eigentlich Motown Record Company, L.P., ist eine
Plattenfirma, die 1958 durch Berry Gordy Jr. und dem Pianist Joe Hunter in
Detroit gegründet wurde. Außerhalb der USA ist sie teilweise auch als
Tamla-Motown bekannt. Der Name "Motown" leitet sich von "Motor
Town", einer Anspielung auf die Autostadt Detroit, ab.
Berry Gordy war der Begründer des heute noch existierenden
Schallplatten-Labels "Motown". Ursprünglich war Berry Gordy
Profiboxer, doch schon sehr früh entdeckte er seine Liebe zur Musik. Die
Musikrichtungen Blues und Jazz hatten es dem jungen Mann besonders angetan. Mit
geliehenen $800 gründete er Ende der 50er Jahre in seiner Heimatstadt Detroit
die Plattenfirma "Motown". Nebenbei schrieb Berry Gordy mit
mittelmäßigem Erfolg auch Songs für andere Künstler (unter ihnen Jackie
Wilson).
Er schuf damit amerikanische Musikgeschichte, denn erstmals
stellte der Erfolg farbiger Künstler den ihrer weißen Kollegen in den Schatten
- "The Sound of Young America" eroberte den Kontinent und machte
Gordy zum Millionär. Der Sound des Motown-Labels galt als mehrheitsfähig. Er
war im Gegensatz zu vielen anderen kleineren Soullabels sehr harmonisch, oft
geradezu kitschig. Bis auf eine einzige Ausnahme, den Tenor - saxophonisten Jr.
Walker, standen Gesangssolisten und -ensembles im Brennpunkt des Interesses,
die begleitenden Bands und Instrumentalmusiker blieben völlig unbekannt. Durch
dieses Erfolgsrezept konnte man sich auch eine weiße Käuferschicht erschließen.
Dieser massenkompatible Sound sollte später einem ganzen Genre, dem
Motown-Sound, den Namen geben.
Neben Motown gründete Berry Gordy andere kleine Label (u. a.
"Anna", "Gordy", "Soul", "Tamla" und
"Rare Earth"), besonders etablierte sich jedoch der Name Motown in
den USA, der zunächst als Tamla Motown außerhalb der U.S.A. firmierte. Nach den
ersten großen Erfolgen durch Gruppen wie The Marvelettes, Martha Reeves &
Vandellas und The Miracles entwickelte sich der "Motown-Sound"
(Werbeslogan "The Sound of Young America") sehr schnell zum
Markenzeichen. Es waren The Supremes, die zwischen 1964 und 1969 mit zwölf Nr.1
Hits den "Motown-Sound" auch international berühmt machten. Aber auch
Marvin Gaye, Stevie Wonder, The Temptations, The Four Tops und später The
Jackson Five sorgten dafür, dass "Motown" zum größten schwarzen
Musik-Label aufstieg.
1966 eröffnete Gordy eine Motown-Filiale in Hollywood, um dort seine
Künstler zu TV- und Filmstars aufzubauen und zeitgleich Soundtracks zu
veröffentlichen. Dieser Schritt wurde ihm oft übel genommen, denn die
Kommerzialisierung war der Musik anzuhören, was man auch dem Plattenverkauf
anmerkte. Die größte internationale Sensation waren die Jackson 5, deren Star
Michael Jackson 1970 mit nur elf Jahren der jüngste Nummer-Eins-Sänger der
Geschichte wurde. Keine andere Band verkaufte in den frühen 1970ern mehr
Platten, und schließlich wurden sie der erfolgreichste R&B-Act des
Jahrzehnts.
Berry Gordys größtes Interesse galt der Lead-Sängerin der
Supremes, Diana Ross. Ihm schwebte vor, aus Diana Ross eine Art "schwarze"
Barbra Streisand zu machen. Der Höhepunkt der engen Zusammenarbeit kam, als
Berry Gordy ins Filmgeschäft einstieg und dafür sorgte, dass Diana Ross die
Rolle der Billie Holiday in dem Film "Lady Sings the Blues" spielen
konnte. Der Film wurde für mehrere Oscars nominiert, ging aber bei der
Oscar-Verleihung dann doch leer aus. Eine bittere Enttäuschung für Diana Ross,
der es gelang, gleich für ihre erste Rolle in der Kategorie "beste
Schauspielerin" für einen Oscar nominiert worden zu sein.
Weitere Filmprojekte, bei denen sich Berry Gordy sehr
persönlich um die Produktion kümmerte ("Mahogany", 1975 und "The
Wiz", 1978) brachten nicht mehr den gewünschten Erfolg, weder für die
Produzenten, noch für Diana Ross. Für Berry Gordy war es ein großer Schlag, als
sich Diana Ross 1981 entschloss, "Motown" zu verlassen. Sie
unterzeichnete einen Millionen schweren Vertrag mit RCA, konnte aber mit den
Schallplattenproduktionen nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. 1989 kehrte
Diana Ross zu Motown zurück, aber da war Berry Gordy nicht mehr im Geschäft, er
hatte die Firma an MCA verkauft. Ursache dafür war wohl das verlassen des erfolgreichsten Label-Songwriter
Holland-Dozier-Holland 1967 wegen Streitigkeiten über die Verteilung
von Tantiemen. Die Qualität der Motown-Musik sank , ebenso wie die
Häufigkeit von Nr.1 Hits. Obwohl Motown in den 1970ern und 1980ern noch eine
Reihe von erfolgreichen Künstlern aufbieten konnte, musste Gordy 1988 sein
Lebenswerk für 66 Mio. US-Dollar an MCA/ Universal verkaufen
Motown stand zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr für das,
was die Firma einst so berühmt gemacht hatte: Der "Sound of Young
America" blieb nur noch Legende.
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