Fusion Jazz1965 war Jazz für die Masse junger Rock-Fans eine Musik von gestern. Ihre Eltern sammelten Jazzplatten. Es war Zeit für etwas Neues - in der Musik, in der Mode, im persönlichen Verhalten, in der Moral. Eine komplexere, ausgedehntere, improvisatorisch offene instrumentale Rockmusik (die sich oft modaler Verfahren bediente) vereinte Zehntausende von Zuhörern zu gemeinsamer Trance. Riesige Freiluftfestivals nährten den Traum einer grenzenlosen Jugentkultur mit eigenen Werten und eigener Sprache. In den Vereinigten Staaten intensivierte sich die Ablehnung der Werte der äteren Generation mit dem Vietnam-Krieg und den Rassenunruhen. Jazz-Veranstalter und -Plattenfirmen kamen in die roten Zahlen. Selbst Miles Davis war betroffen - und wenn er es war, traf es andere Musiker um so härter. Nicht nur aus Berechnung nährten sich Jazzmusiker dem Rock an, auch wenn die "Columbia"-Manager Davis nahelegten, seine Hörgewohnheiten Cocktail der StileJazz-Rock oder Fusion - eine Mixtur von Bebop, Rhythm and Blues und Funk a la Motown, Stax, James Brown oder Sly Stone - erlebte einen rasanten Aufstieg. Das Wort Jazz wurde als geschäftsschädigend aus dem Vokabular der Marketingstrategen verbannt. Größere bluesorientierte Gruppen wie Blood Sweat and Tears und Chicago arbeiteten mit jazzigen Bläsergruppen. Der Vibraphonist Gary Burton entwickelte eine bemerkenserte Technik, mit der er Noten wie ein Blues-Gitarrist biegen konnte, und spielte gegen Ende der sechziger Jahre eine Mischung von Jazz und Country-Blues, mit einer Band, in der sich die kreativen jungen Gitarristen Larry Coryell, Pat Metheny und John Scofield ihre ersten Sporen verdienten. Roy Ayers, ein zweiter Vibraphonist, kombinierte einprägsame Songs mit schwarzen Funk. Der Saxophonist Yusuf Lateef, ein weltoffener Musiker, der sich schon lange mit anderen Musikkulturen beschäftigte, schuf eine einfallsreiche Variante von Funk Jazz, ebenso wie der Trompeter Randy Becker und sein Bruder Mike, ein virtuoser Saxophonist. Donald Byrd, Professor an der "University of Southern California" und ein früherer Trompeten-Star bei "Blue Note", tat sich mit seinen Studenten zusammen, darunter den Produzenten-Brüdern Larry und Fonce Mizell, und brachte mit Hits wie "Black Byrd" und dem heute vielgesuchten "Place and Space" jazzigen Funk in die Discotheken. Er schuf damit einen Markt für jüngere Musiker wie Patrice Rushen und seine Studenten, die Blackbyrds, die den Sound mit Singles wie "Do It Fluid" aufs 45er-Format übertrugen. Aber wieder einmal hieß der Wegbereiter, der zum charismatischen Prediger eines neuen Jazz-Evangeliums wurde, Miles Davis. Seine Band mit Herbie Hancock , Wayne Shorter, Tony Williams und Ron Carter hatten die Jazz-Improvisation an die Grenzen getrieben, die gerade noch mit der Beibehaltung von Form und Metrum vereinbar waren. Davis vertiefte sich immer mehr in die Musik von Sly Stone und Jimi Hendrix. Mit seiner charakteristischen Kühnheit verpflanzte er das solistische Potenzial seiner Band in eine elektrische Musik, in der es noch immer Raum, Dramatik und Überraschung gab, aber zunehmend auch elektronische Effekte, die ebenso suggestive und eindringliche Klangtexturen erzeugten, wie sie Gil Evans mit herkömmlichen Instrumentarium erzielt hatte. Mit Filles de Kilimanjaro und In a Silent Way begann für Miles Davis ein Weg, der zu einem vielverkauften Klassiker der Fusion-Klangmalerei führte: Bitch Brew. Davids Mitspieler initiierten ihre eigenen Fusion-Projekte. Wayne Shorter und der Pianist Joe Zawinul gründeten Weather Report. 15 Jahre lang Manche Jazzer folgten der Fusion-Straße bis zu ihrer Einmündung in die Pop-Musik.Z.B. der Gitarrist George Benson, einer der besten Improvisatoren seit Wes Montgomery. Als der Erfolg seiner Platte Breezin´ mit ihrem weichgespülten Funk und ihrem von Nat King Cole beeinflußten Gesang sein Leben verändert hatte, ließ er nur noch bei gelegentlichen Sessions seine eigentlichen Jazztalente hören. Die Fusion Music krankte nach einiger Zeit an ihrem eigenen Dunkel und ihrer Betonung demonstrativer Virtuosität und klischeehafter Floskeln, die die Improvisation einengten. Dennoch hat der Fusion den Jazz unwiederbringlich verändert. Gegen Ende der 90er Jahre lebte der Fusion wieder auf. Musiker wie Karl Danson, Dave Douglas oder Medeski Martin & Wood griffen wieder deutlich die Wurzeln des Fusions auf. Greyboy Allstars, Vinyl, Karl Danson´s Tiny Universe oder Jb and the Rebellion sind einige Vertreter der heutigen Fusion Musik.
Wichtige Musiker des Fusion: Miles Davis, Herbie Hancock, John McLaughlin, Chick Corea, Weather Report, John Scofield, Tony Williams, Ron Carter.
Quelle: Das große Buch vom Jazz 1998 / Arrigo Polillo Jazz die Enzyklopädie 2.Auflage 2006
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schufen sie Funk- und Latin-Klassiker, die durch kollektive Improvidationen ihre besondere Farbe bekamen. Das Album Headhunters von Herbie Hancock verkaufte sich millionenfach. Tony Wiliams stellte mit dem Gitarristen John McLaughlin und dem Cream-Bassisten Jack Bruce die rauh, aber abstrakt musizierende Gruppe Lifetime zusammen.




