Hard Bop

In den fünfziger Jahren wurde der Cool-Jazz zunächst als schicker und elegant-lyrischer Jazz der Nachkriegsjugend angesehen; doch dann betrachtete man ihn als beengte, emotional distanzierte Musikform, die eher Verklemmung als Grazie ausstrahlte.

Schuld daran war der Rock and Roll, der die Sentimentalität, Heimeligkeit, unterdrückte Sexualität und Fadheit hinwegfegte, in die sich populäre Musik mit ihren Schnulzensängern der Tanzorchester-Ära verkrochen hatten. Als die Radiomoderatoren im Süden erstmals Elvis Presleys That´s All Right, Mama auflegten, wurde sie mit Anrufen bombardiert, die mehr und mehr davon verlangten. Der rhythmische Drive der alten Boogie-Pianisten und die ausdrucksvolen Gesangstimbres der Felder und der Bahnhofsstädte waren Jahrzehnte später in der Stimme eines jungen Weißen aus Memphis wieder auferstanden, der Talent und Gitarre sein eigen nannte.

Das Ergebnis war ein musikalischer Erdrutsch, der den Jazz aus seiner Schlüsselposition in der populären Musik verdrängte. So cool der Jazz auchArt Blakey war, so konnte er doch nicht das Feuer des Rock and Roll ignorieren. Im Vergleich zum Rock and Roll klang so mancher routinierte modische Jazz der frühen Funfziger nicht nur cool, sondern leblos. Und für viele Jazzmusiker war Cool ohnehin nie ihre Sprache gewesen. Der Einfluß des Bop blieb auch während der Welle cool-gemäßigter Klänge wirksam.

Keiner der Musiker wollte wie die Cool-Spieler klingen; sie wollten die vokale Färbung, das intensive Vibrato, die drängenden Ensembleklänge und die treibenden Rhythmusgruppen des frühen Jazz und den schwarzen Kirchen beibehalten. Anfangs waren sie zu verstreut, als daß man von einer Bewegung sprechen konnte, doch schließlich wurde ihr Stil mit dem Namen Hard Bop belegt.

 

Im Hard Bop knüpften Bop-Musiker wie Max Roach oder Dexter Gordon zusammen mit jungen Talenten, darunter die hervorragenden Trompeter Clifford Brown, Blue Mitchell und Donald Byrd, wieder stärker als die Cool-Improvisatoren an Phrasierungsweise, Besetzung und vor allem an die donald byrdrhytmischen Ideale des eigentlichen Bop an, die weiterentwickelt und nun auch in ungeraden Taktarten sowie verstärkt in polyrhythmischen Kombinationen realisiert wurden.  

Zwei Entwicklungslinien standen dabei in enger Korrespondenz: die eine, repräsentiert etwa durch Horace Silver und Cannonball Adderley, bezog unter Etiketten wie Soul-Jazz, später auch Funk, besonders starke Impulse vom Rhythem & Blues; die andere Linie konzentrierte sich eher experimentell auf rhythmische Prozesse (Art Blakey, Max Roach) oder harmonische Entwicklungen ( Sonny Rollins, John Coltrane) und brachte die Innovatoren den folgenden Stil hervor. Den Hard Bop.

 

In seinem Haupstrang unterscheidet sich der Hard Bop vom Bebop durch überschaubare melodische Improvisationslinien, ein dunkleres, schwereres Klangideal, eine konsequentere Umsetzung der komplexen Harmonik in den Arrangments und die stärkere Hinwendung zu Orginalkompositionen.

 

Wichtige Musiker des Hardbop:

Art Blakey, Horace Silver, Sonny Rollins, John Coltrane,Miles Davis, Donald Byrd, Max Roach, Clifford Brown, Blue Mitchel.

 

Quelle: Das große Buch vom Jazz 1998 / Arrigo Polillo Jazz die Enzyklopädie 2.Auflage 2006


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