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Modaler Jazz / Free Jazz

In den späten fünfziger Jahren wurde der Saxophonist Ornette Coleman in Nat Hendroffs Begleittext zu seiner ersten Platte wie folgt zitiert :"Ich glaube, daß die Musik eines Tages sehr viel freier sein wird. Das Erfinden von Musik ist genauso natürlich wie das Atmen".

Colemann erschien 1959 am Jazzhorizont, für manche ein Leitstern, für andere ein fehlgeleitetes Geschoß. Aber er tauchte gerade dann auf, als Ornette  Colemaneines der überzeugensten Belegstücke dafür, daß es ein Leben nach dem Bebop geben könne, verfertigt wurde. Miles Davis hatte gemeinsam mit dem eigensinnig-ausdrucksvollen Tenorsaxophonisten John Coltrane und dem lyrischen Pianisten Bill Events die LP "King of Blue" eingespielt, eine Serie beinahe tranceartiger Variationen über Modi, deren gleichmäßige-meditative Dynamik völlig verschieden vom hitzigen Ansturm des Bebop war.Die modale (Modi) Musik zeichnete sich darin aus, das sie den mittelalterlichen Kirchentonarten folgte, nicht der Dur-Moll-Tonalität.

Improvisiert wird hier wie beispielsweise in der indischen Musik über Modi, über Skalen also, und zwar unter Verwendung der skaleneigenen Haupt-und Nebentöne sowie verschiedenrangiger Obertöne. In der Folgezeit bis zum Durchbruch des Free Jazz arbeiteten Improvisatoren mit verschiedenen Varianten modaler und scheinbar modaler Musik, häufig auch unter Verwendung geeignet erscheinender funktionsharmonischer Stücke mit relativ wenigen Akkortwechseln.

Coltrane entwickelte den Kind of Blue-Ansatz weiter und erforschte die Modi mit solcher Intensität, daß sich raschen Tonfolgen zu sogenannten Sheets of Sound (Klangflächen) verdichten. In diesen Jahren setzte Coltrane mit My Favorite Things, India und Ole die entgültige Anerkennung des Modalen Jazz vehement durch.

Auch Komponisten-Arrangeuere wie Gerge Russel und Charles Mingus schufen eine neue Ensemblemusik, die sich modales Spiel, Blues, Gospel und freie Improvisation zu eigen machte.

Der Weg zum Free Jazz

Als junger Mann spielte Coleman Texas-Blues, Kneipen- und Kirchenmusik. Doch inerhalb weniger Jahre war er vom Rhythm-and-Blues-john coltraneSaxophonisten in den Tanzsälen von Forth Worth zum enfant terrible geworden, das die Jazzzene entzweite. Von angesehenen Figuren des etablierten Musiklebens wie den Komponisten und Dirigenten Gunther Schuller und Leonard Bernstein und dem Modern Jazz Quartet-Pianisten John Lewis wurde er rasch zum wichtigen Neuerer der Musik des 20. Jahrhunderts ausgerufen. Doch genauso schnell lehnten viele Kritiker und Jazzfans Coleman ab, indem sie behaupteten, sein Spiel entbehre jeglicher Lyrik, sei verstimmt und rücksichtslos oder gar agressiv gegenüber dem Publikum.

In laufe der Zeit wurde Colemans Musik, wie es auch der ersten Bebop-Welle beinahe zwei Jahrzehnte zuvor ergangen war, als erdiger, impulsiver Stil erkannt, der viel von der Unmittelbarkeit und emotionalen Offenheit früher Blues-Spieler hatte - mit einer ebenso persönlichen Palette von heiseren Schreien, gequältem Vibrato und Falsettrufen. Zusammen mit einem durchdringenden Beat war dies eine genuine Erweiterung eines Saxophonstils, der vergleichbar mit der Bedeutung des Stils von Parker für früherer Stilepochen des Jazz war. Was die Hörer verstörte, war, wie Coleman Akkorde über Bord warf (nach seiner ersten Platte von 1958 engagierte er in den folgenden dreißig Jahren keinen Pianisten mehr!) und einen flexiblen, direkten Combo-Jazz schuf, in dem die Melodielinie mit ihren wechselnden tonalen Zentren, der Rhythmus und die Dynamik sich organisch entwickelten, indem ein Spieler den Ideen der anderen folgte.

Mit den LPs Something Else! und Tomorrow Is the Question wurde Ornette Coleman zum ersten Propheten der Bewegung, die in den sechziger Jahren als Free Jazz bekannt wurde. Manche ihrer Resultate sollten so herausragend sein, wie es Colemans Musik war. Andere aber ersetzten Struktur durch Exzesse von Lautstärke und Aggressivität und verschreckten damit viele Jazzfreunde und Plattenfirmen.

 

Der Free Jazz gewann nie ein großes Publikum. In seiner Radikalität öffnete der Free Jazz Türen, die sich seither nie mehe völlig geschlossen haben, und machte das Publikum mit einer Fülle unerhörter Klänge vertraut. Er hat den Jazz der Gegenwart unschätzbar bereichert.

 

Wichtige Musiker des Free-Jazz:

John Coltrane, Albert Ayler, Sunny Murray, , Sun Ra, Don Cherry, Archie Shepp, Pharoah Sanders.

 

Quelle: Das große Buch vom Jazz 1998 / Arrigo Polillo Jazz die Enzyklopädie 2.Auflage 2006


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