Swing
Eine überhitzte amerikanische Wirtschaft brach 1929 in sich zusammen. Bis 1935 brauchte der Jazz, um sich von diesem Schlag zu erholen. Viele Jazzmusiker verdienten mit Gelegenheitsjobs ihr Geld. Sidney Bechet putzte Schuhe und half seinen Trompetenfreund Tommy Ladnier in dessen kümmerlichem Schneidergeschäft aus. Im Mittleren Westen und Südwesten fuhren territory bands in verbeulten Bussen herum und spielten für ein Trinkgeld. Die großen Namen des damaligen Jazz,wie z.B. Louis Amstrong und Duke Ellington reisten nach Europa, um dort zu spielen.
Der King of Swing
Im August 1935 trat Goodmanns Band, der so starke Musikpersönlichkeiten wie der Trompeter Bunny Berigan und Schlagzeuger Gene Krupa angehörten, gegen Ende einer trostlosen Tournee von Küste zu Küste im "Palomar Ballroom" in L.A. auf. Goodmann begann das Konzert wie immer mit Tanzmusik, die das Publikum von Collegestudenten kalt ließ. In letzter Verzweiflung zählte er Fletcher Hendersons Arrangment von Jelly Roll Mortons King Porter Stomp an - New Orleans- Sound des Jelly Roll Morton, der Harlem Sound des Fletcher Henderson Arrangements vereinigten sich auf dem Umweg über das jüdische Ghetto. Die Zuhörer schrien vor Begeisterung; der komerzielle Durchbruch eines heißen, vitalen, rasanten Big-Band-Jazz im schwarzen Stil war da, und Benny Goodman war auf dem Weg dazu, zum King of Swing ausgerufen zu werden.

Die Verbreitung des Radios war ebenso entscheidend für diesen Swing-Boom, wie es das Ende der Wirtschaftskrise, steigende Umsätze "heißer" schwarzer Musik wie der Armstrongs bei einer wachsenden Zuhörerschaft weißer Studenten und nicht zuletzt Goodmanns Alter, Hautfarbe und Talent waren. Goodmann war jünger als all jene Jazzpioniere, deren Musik in den verbrauchten zwanziger Jahren zu wurzeln schien; er ähnelte den jungen Männern im studentischen Publikum, und er spielte mit einer Mischung aus improvisatorischer Verve und europäischer Intonationsgenauigkeit, die ein junges, gebildetes Publikum in den gesamten USA aufhorchen ließ.
Fünf Jahre nach dem kalifornischen Erfolg war Godmann ein internationaler Star, der 1938 mit seiner legendären Spirituals to Swing-Show in der" Carnegie Hall" den Jazz sogar in die Welt der klassischen Konzertsäle brachte. Er war auch einer der Vorreiter rassisch integrierter Bands, indem er den Pianisten Teddy Wilson, den Vibrophonisten Lionel Hampton und den gitarristen Charlie Christian engagierte. Diese Offenheit war dadurch gewachsen, daß er noch in Chicago die New-Orleans-Pioniere gehört und 1933 im Rahmen von Aufnahmeprojekten John Hammonds mit Musikern wie Coleman Hawkins und Billie Holiday kooperiert hatte.
Weiße Bandleader wie Jimmy und Tommy Dorsey, Bob Crosby und Glenn Miller kamen ebensogut bei diesem neuen, größeren Publikum an und auch schwarze Bands wie die Jimmie Luncefords und Andy Kirks. Und nicht nur die durch Godmanns Band symbolisiert, makellos gespielte, straff disziplinierte Musik profitierte vom Swing-Boom. Duke Ellingtons farbig-impressionistische Klangmalerei entfaltete sich nun über einem mitreißenden Beat, den die Band im wettbewerbsförderden Klima der Ballrooms gelernt hatte. Ihre subtilsten , bewegensten und konzentriertesten Aufnahmen sollte die Elligton-Band gerade dann machen, als die Kriegswirtschaft und der Aufstieg des Bebop in den frühen vierzige Jahren die meisten anderen anachronistisch erscheinen ließen.

In Kansas City hatte seit den zwanziger Jahren eine einfachere, risikofreudigere, bluesigere, rifforientierte Musik geblüht, besonders die der Bennie-Moten-Band, zu der Saxephonist Ben Webster und der Pianist Willian"Count" Basie gehörten. Nach Motens Tot als Folge einer Mandeloperation übernahm Basie dessen Ansatz und viele der Moten-Musiker in seiner eigene Band. Als die Band nach New York kam, wurde sie beinahe so populär wie die Benny Goodmans und glänzte mit einem entspannt fließenden Rhythmus und exquisiten Soli von Musikern wie Buck Clayton, Herschel Evans und Lester Young. Damit beeinflußte sie schließlich sogar das Repertoire und die musikalische Orientierung des King of Swing.
Wichtige Musiker des Swing-Stils:
Count Basie, Benny Goodman, Coleman Hawkins, Johnny Hodges, Gene Krupa, Roy Eldridge, Jimmie Lunceford, Fletcher Henderson, Glenn Miller, Jimmie Lunceford, Ben Webster.
Quelle: Das große Buch vom Jazz 1998 / Arrigo Polillo Jazz die Enzyklopädie 2.Auflage 2006
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