New Orleans
New Orleans wird
gemeinhin als Geburtsort des Jazz bezeichnet, auch wenn man heute weiß,
das die Stadt keineswegs die einzige Stätte des frühen Jazz war. Aber
New Orleans brachte einmalige Voraussetzungen für diese Rolle mit. Zu
Anfang des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung der Stadt ungefähr halb
schwarz und halb weiß gewesen. Doch nachdem die Vereinigten Staaten
durch den "Louisiana Purchase" von 1803 die Stadt erworben hatten,
kamen immer mehr amerikanische Siedler in den Süden. Zugleich kamen
mehr Sklaven, und mit ihnen eine frische Zufuhr traditioneller
afrikanischer Kultur. Es bildeten sich schwarze uptowns (Slums) wo der
Kult des Voodoo florierte. Er brachte eine Musik von solcher
ryhthmischen Verve mit sich, daß sie immer wieder den disziplinierten
Schritt der Militärmusik störte. Auf den Congo Square, einst einem Ort,
wo die Sklaven ihre Musik und Tänze praktizieren durften, hatten
Musiker um 1880 begonnen, europäische Instrumente mit afrikanischen zu
kombinieren und Ruf-Anwort-Muster in kreolischen Patois zu singen.
Die Musik im New Orleans des späten 19.Jahrhunderts wurde, wie fast
überall in den Vereinigten Staaten, von Blaskapellen beherrscht. Ein
reichliches Angebot billiger Militärkapellen-Instrumente nach Ende des
Bürgerkrieges und der Auflösung der Truppen lieferte die Mittel, und
der Wohlstand und die wachsene Bevölkerung der Stadt sorgten für den
Bedarf. Blaskapellen spielten bei Paraden, Tanzveranstaltungen,
Bootsausflügen und Beerdigungen. Für die Nachkommen westafrikanischer
Kulturen war die Ehrung der Toten durch Musik eine wichtige Erinnerung
an ihre Heimat. Afrikanische Kulte und Geheimgesellschaften tauchten in
New Orleans unter dem Deckmantel von Freimaurerlogen und Hilfsfonds
wieder auf. Wenn fleißig eingezahlt wurde, war damit, wenn die Zeit
kam, ein würdevoller Abschied garantiert, mit so vielen Musikern, so
viel Getön und einer so langen Totenwache, wie es das Geld hergab. Wie
im afrikanischen Dahomey, wo Beerdigungen als Freudenfeste betrachtet
wurden, folgte der leidenschaftlichen Zeremonie auf dem Friedhof ein
wilder Umzug in die Stadt, und Favoriten des späteren New-Orleans-Jazz
wie Didn´t He Ramble und When the Saints Go Marching In waren ursprünglich Melodien der heimkehrenden Begräbniskapellen.

Jelly Roll Morton
Bix Beiderbecke
1897 eröffnete das erste
legale Amüsierviertel der Stadt. Es trug den Namen "Storyville" und
bestand bis 1917, als es, da als wehrkraftzersetzend betrachtet,
geschlossen wurde. Die Sporting Houses (
Bordelle) wurden zu einer lukrativen Einnahmequelle für findige junge
Pianisten wie Jelly Roll Morton, die dem wirtschaftlichen Niedergang,
der kreolischen Bevölkerung zu entkommen suchten. Die Pianisten
spielten in den parfümierten, mit Samt ausgeschlagenen, geschmückten
Salons der Bordelle, und die Blaskapellen spielten draußen auf den
Straßen oder Pferdekarren weiter. Europa und Amerika vermischten sich
weiter. Der TigerRag der Orginal Dixieland Jazz Band war ursprünglich, mit mehreren Zwischenschritten, aus einer alten französischen Quadrille abgeleitet worden.
Die klassische New-Orleans-Besetzung war eine elektrische Mixtur: Blechbläser und Schlagzeug kamen von den Militärkapellen,
die Klarinette von den gebildeten, aber im sozialen Abstieg begriffenen
kreolischen Musikern und Banjo oder Gitarre aus der Minstrelsy und dem
Blues. Die Instrumente der Frontline verwoben sich in einer Annährung
des europäischen Konservatoriums-Kontrapunkts, doch die ständige
spontane Variation der Linien deutete auf die Musik Afrikas hin, in der
keine Melodie so heilig war, daß sie nicht bei der nächsten Aufführung
hätte verbessert werden können. Jazz war der Name des neuen Klangs.
Wichtige Musiker des New Orleans- Dixieland-Stils:
Louis Armstrong, Sidney Bechet, Origina Dixieland Jazz Band, Bix Beiderbecke,
Eddie Condon, Jelly Roll Morton
Quelle: Das große Buch vom Jazz 1998 / Arrigo Polillo Jazz die Enzyklopädie 2.Auflage 2006
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