| Die Wurzeln des Soul |
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AllgemeinSoul bezeichnet afro-amerikanische Unterhaltungsmusik, die aus dem R'n'B der 50er Jahre entsteht. Ab Ende der 50er Jahre wird der Begriff verstärkt verwendet. Doch neben der rein musikalischen Bedeutung steht Soul für schwarze Kultur und Identität allgemein. Zu Zeiten der schwarzen Bürgerrechtsbewegung ist der Begriff mit vielen Bedeutungen aufgeladen und ist Code-Wort für ein schwarzes Selbstverständnis.
Entstehung und StilDer Soul bildete sich Mitte der 40er Jahre im Rampenlicht populärer Big Bands (Duke Ellington, Count Basie) und Harmonie-Gesangsgruppen (The Platters, The Coasters) durch die Verarbeitung von Elementen des Swing , Bebop , Blues und Gospel in der Populär- und Tanzmusik für ein Publikum aus den afroamerikanischen Bevölkerungsschichten in den Großstädten der USA, insbesondere New York, Chicago und New Orleans, heraus. Inspirierend wirkten dabei immer wieder Versuche renommierter Bluesinterpreten (John Lee Hooker, T-Bone Walker, Muddy Waters) und Jazzmusiker (Ella Fitzgerald, Lionel Hampton, Dinah Washington), den kommerziellen Erfolg ihrer Veröffentlichungen zu erhöhen, zugleich aber das Typische und Ursprüngliche ihrer Musik zu erhalten. Diese Entwicklung mündete in die Entstehung des Rhythm'n'Blues als Vorstufe des Rock'n'Roll in den frühen 50er Jahren. Während bei der Entwicklung zum Rock'n'Roll (Chuck Berry, Fats Domino, Little Richard) verstärkt auch Elemente der Country-Musik Berücksichtigung fanden und rhythmisch tendenziell der Up-Beat vorherrschte, kondensierte sich durch Hinwendung zum Down-Beat der als eigenständiges Genre wahrnehmbare Soul heraus. Die Soulwelle der 60er Jahre fasste bereits bestehende Tendenzen innerhalb der schwarzen Musik zu einem kraftvollen, großen Strom zusammen. Musikalisch griff sie die Impulse diverser Gospel-orientierter Gesangsgruppen auf. Die neu entstehende Soulmusik kombinierte typische Gospel-Elemente wie die Gefühlsintensität des Vortrags (das sogenannte Shouting), die auf dem Call and response-Prinzip basierende Songstruktur sowie das den Takt unterstreichende, rhythmische Händeklatschen mit der musikalischen Energie und der Bandstruktur des Rhythm'n'Blues. Stilistisch markierte der Soul einen deutlichen Bruch mit der schnellen und rhythmusbetonten, jedoch ohne Anspruch auf Tiefgang daherkommenden Rhythm'n'Blues-Unterhaltungsmusik, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg etabliert hatte. Die Wiederaneignung der aus dem Süden stammenden Gospel-Tradition ging jedoch einher mit weltlichen Texten. Anstatt der im Rhythm'n'Blues gängigen Grobschlächtigkeit propagierte Soul neue Werte wie Mode und Eleganz. Nicht zuletzt betonte er auch eine andere Sichtweise des Verhältnisses der Geschlechter: War im Rhythm'n'Blues das Verhältnis zwischen Frau und Mann oft auf das Sexuelle sowie den gegenseitigen Nutzwert reduziert, thematisierten eine Reihe von Soul-Texten auch spirituelle Aspekte wie Verantwortung und Zuneigung. Verglichen mit der Rock'n'Roll-Dekade der Fünfziger, präsentierte der Soul oft ein geradezu ein realistisches und erwachsenes Bild der Geschlechterverhältnisse. Obwohl sich die Sänger und Sängerinnen dabei teilweise bis in ihr Innerstes offenbarten, blieb der Vortrag trotz allen Temperaments stets kontrolliert und unterwarf sich der Dramaturgie des jeweiligen Stücks. Eng verknüpft war der Erfolg der neuen Musikrichtung mit den Erfolgen und Rückschlägen der Bürgerrechtsbewegung. Manifest wurde deren Bedeutung durch den Marsch auf Washington am 28. August 1963, an dem rund 250.000 Menschen teilnahmen. Die von der Bürgerrechtsbewegung langfristig anvisierte Integration der Farbigen in die weiße Mehrheitsgesellschaft drückte sich in der neuen Musikrichtung sehr unmittelbar aus. Als Blütezeit des Souls gilt nicht umsonst die Ära der Freedom Rider, deren Zivilcourage die Abschaffung der Rassentrennungsgesetze nicht unmaßgeblich mitbewirkte. Soul brachte das erstarkende schwarze Selbstbewusstsein in Schlüssel-Songs zum Ausdruck wie "Say It Loud - I'm Black And I'm Proud" von James Brown (1968) und "Respect" von Aretha Franklin (1967). Von der Bedeutung der Musik für das neue Selbstverständnis kündeten schließlich auch neue Begriffe aus der Alltagssprache wie "Soulbrother" und "Soulsister". Stilistisch lassen sich im Sechzigerjahre-Soul zwei Hauptstränge ausmachen. Eine - der sogenannte Southern Soul - offerierte eine rauere, ungeschminktere Version und wird vor allem mit den Produktionen der beiden Labels Atlantic Records (New York) und Stax (Memphis) assoziiert. Die zweite Richtung, die sich vor allem um das Detroiter Label Motown gruppierte und gelegentlich auch als Northern Soul bezeichnet wird, favorisierte hingegen eine möglichst mainstreamtaugliche schwarze Unterhaltungsmusik und erzielte mit dieser zeitweilig immense Erfolge im weißen Massenmarkt. Eine zweite Soulwelle Anfang der Siebziger Jahre, ausgelöst durch die Produktionen des Labels Philadelphia International Records und bekannt geworden unter dem Etikett Philly Sound, baute ebenfalls auf dieses Grundkonzept. Obwohl nachfolgende Stilrichtungen in den Siebzigern und Achtzigern den Soul in den Hintergrund drängten, gilt er bis heute als das große Bindeglied zwischen dem Rock'n'Roll, Blues und Rhythm'n'Blues der Fünfziger und dem Funk sowie der Disko-Musik der Siebziger. Auch die Hip-Hop-Welle konnte Soul relativ unbeschadet überstehen. Immer wieder recycelt und neu aufgelegt, gilt er bis heute als die beständige Pop-Hauptströmung der schwarzen Musik schlechthin.
Vom Soul Jazz zum Soul & Funk
Flankiert wurden die
Veränderungen in der schwarzen
Unterhaltungsmusik durch eine vom avantgardistischen Jazz her kommende
Richtung. Diese beeinflusste den Hauptstrang der Unterhaltungsmusik
zwar nur mittelbar, brachte allerdings gleichfalls ein Bedürfnis nach
Veränderung zum Ausdruck. Ein markantes Signal war die Entwicklung hin
zum Hard Bop: Eine Gruppe hochkarätiger Instrumentalisten (Cannonball
Adderley, Horace Silver und Charles Mingus) entschloss sich, die von
ihnen als artifiziell angesehene Weiterentwicklung des Bebop zum Cool
Jazz
nicht mitzuvollziehen und näherte sich stattdessen der aktuellen
Rhythm'n'Blues-Musik an. Sie integrierte den Funk-Rhythmus sowie den
akzentuierten, rhythmusbetonten Bläser-Stil der Unterhaltungsbands in
ihre Musik und schuf so einen neuen, bald als Hard Bop bezeichneten
Jazz-Stil. Der
Soul-Jazz, ein stilistischer Unterbegriff des Hardbob, ist
gleichbedeutend mit Funk oder Funky Jazz und bezeichnet eine auch beim
breitem Publikum erfolgreiche
Musikrichtung, die sich erklärtermaßen auf die Blues- und
Gospel-Traditionen bezogen hat. Typische Vertreter des Soul-Jazz sind
als Solist der Pianist Bobby Timmons, die Saxophonisten Gene Ammons,
Stanley Turrentine, Houston Person, King Kurtis, Eddie Harris und Hank
Crawford. Die Pianisten Les McCann, Ramsey Lewis und Gene Harris,
Gitarristen wie Grant Green oder der frühe George Benson sowie die
meisten Orgel-Trios von Jimmy Smith bis Larry Goldings. Die Grundsteine
des Soul & Funk waren gelegt. Der Soul entwickelte sich ab Mitte der Fünfziger aus unterschiedlichen Tendenzen. Sam Cooke, Ray Charles James Brown werden gemeinhin als die Anfänge des Soul betrachtet; insbesondere der Ray Charles-Klassiker "What'd I Say" aus den Jahr 1959 gilt als einer der wesentlichen Auslöser. Elemente des Soul waren darüber hinaus bereits bei einigen schwarzen Gesangsgruppen wie etwa den Dominoes, den Drifters und den Platters zu finden. Ebenfalls mit Gospel-typischen Elementen wartete die Musik einiger schwarzer Jazzsängerinnen auf - wie zum Beispiel Ella Fitzgerald, Nina Simone und Dinah Washington. Starke Affinitäten zum Gospel enthielt darüber hinaus auch die Musik einiger schwarzer Rock'n'Roll-Interpreten wie zum Beispiel Fats Domino, LaVern Baker und Ruth Brown. Ausgelöst wurde der Soul so letztendlich von einer Reihe übergreifender stilistischer Gemeinsamkeiten. Gebündelt präsent waren diese bei einem Label, welches die Entwicklung der Rhythm'n'Blues-Szene bereits seit den späten Vierzigern begleitet hatte: Atlantic Records in New York.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Soul (http://de.wikipedia.org/wiki/Soul) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia(http://de.wikipedia.org/) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation (http://www.gnu.org/licenses/fdl.txt).In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hauptseite&action=history) verfügbar. |
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