Orange Fizz - You the Night and the Funk
Label: Orange Fizz
Jahr: 2010
Mit einem fetten Bläser Break geht es in einem Head-start sofort rein in „Head Up High“, einem gnadenlos vorwärtsschreitenden Uptempo Rocker. Flangendes E-Piano, pumpender Bass und trocken knallendes Schlagzeug reißen Dich sofort aus dem Sessel. Die fantastische Conny Miller begrüßt Dich mit der Zeile: „You feel the energy rising“. Wie wahr! In der Mitte des Songs ist der Gesang in Oktaven gedoppelt. Das erinnert an Doug and Jean Carn oder Galliano. Die Band geht weiter in einen offenen Groove Break, aus dem die Bläser-Section Simon (E-Piano) und Michael (Posaune) in eine Vierer / Zweier Battle schubst. Chorus, harter Schluss – aber sofort fangen Dich die Bläser wieder ein: „Pass me the Pan“ rollt mit wunderbarem Südstaaten Feel dahin. Den Refrain über flockigem Disco Hi-Hat Beat möchte wirklich jeder mitsingen. Wieder endet die Band mit einer markanten Bläser Linie.
Simon Männlein eröffnet mit einem gefühlvoll verhalltem Intro „Release“. Mit einem fetten Bläserakkord steigt die Band ein. Hey – sind das die Horny Horns die da plötzlich loshüpfen? Der Gesang setzt sich auf den verzockten Funkgroove, steigert die Intensität gemeinsam mit den Horns bis zum Höhepunkt im Refrain: „Release me!“ Entspannt geht Conny in einen Vocal Break – doch die Band drängt noch einmal auf Befreiung: „Release me!“. Dieses mal endet der Songs gar in einem Donnergrollen – oder hallen die Akkorde in der Orgel weiter? Der brummende Bass macht klar: Selbe Intensität, aber ein ganz andere Welt – was für ein Übergang! „Scales“ Alles an diesem Song malt in Klangfarben. Immer wieder, und speziell auch in diesem Song, zeigt sich die bemerkenswerte Tiefe, die die Musik der Band schon erreicht hat. Dominik begleitet den Hörer mit einem überlegt – reduzierten Solo aus dem Song.
Mit „Kiwi Milk“ beweist orange fizz ihr Funkverständnis: Ein dicker mid-tempo Groover mit nahrungsmittelbezogenem Titel darf auf keinem Funk Album fehlen! Interessant: Ein Doors-like Orgel Interlude, aber in groovend. Das darauf folgende „Rush“ gibt richtig Gas. Ein Sal-Soul mäßiger Latin-Disco Brecher erster Güte der wirklich gute Laune macht. Ein unglaublich druckvolles Timbales / Percussion solo von Anton Männlein legt nochmal einige Briketts drauf. Die Bläser könnten auch Paco, Rodrigues und Jesùs heißen. „Don’t You Worry `bout A Thing“ von Incognito klingt im Vergleich schon fast pessimistisch dagegen.
Udo Drum eröffnet „Rime and Sun. Der Groove perlt, der Gesang, geschmeidig und leicht, erinnert an Tony Braxton oder Erykah Badu. Einfach nur schön! Mit „Come Over“ geht es dann in den Club. Ein locker leichter Happy-Go-Lucky-mitfeier-Song. Auch hier werden Erinnerungen an die Acid – Jazz Ära der Neunziger wach. Can you boogie? „Roundabout“ ist eine satte Rhythm and Blues orientierte Nummer und zeigt vom bluesigem Gesang bis zum Hot-Jazz Bläser Kollektivsolo am Ende auch starke Südstaaten Reminiszenzen. Auf manchem anderen Album wäre diese Nummer das Highlight. Im Verhältnis zu den anderen Songs dieses Albums wirkt er eher unauffällig.
Mit „Can’t Get Enough“ geht orange fizz wieder in Uptempo – Party Modus.Keine Angst vor Disco - ja es gibt sogar einen House-style Mittelteil (die Band nennt es „Disco-Dub“)! Aber natürlich nichts programmiert – hier werden Analog Synthy Sounds, hallige Gitarren und Vocals in Kombination mit Bläserkicks hinein gezaubert. Dann kehrt die Band wieder in einen Discobeat á la Sylvester zurück. Auch „Right on Time“ ist fest auf der Tanzfläche verwurzelt, hier werden jedoch komplexere Go-Go Rhythmen und Disco-Hihat Grooves verwendet. Die Bläser gehen in vollen „Tower Of Power!“ Modus. Eine Nummer für Kopfnicker!
Aus dem Schlußbreak / Akkord von „Right on Time“ wechselt die Band in 6/8 Takt. Ein Bruch, ja. Aber „Part Of The Sun“ ist schon Teil des Finales. Eine Liebeserklärung an das Leben an sich. Die Band pulst ruhig aber bestimmt, dunkel-volle Bläser unterstützen die Erzählung. Conny singt im Duett mit Sascha Seelemann alias Lupin, Pianist und Sänger der Bojitos. Auch Lupin singt klar und natürlich, ohne verspielte Schnörkel. Dominik führt die Gedanken des in einem abschließenden Gitarren Solo zu Ende. Mit der Energie, mit der sich die Gruppe in „Part Of The Sun“ vollgesogen hat geht sie dann in „Walking On Air“. Lebensfreude pur! Reduziert, doch voller Freude steigt die Band in die treibende Nummer ein und steigert sie immer weiter bis in den Refrain. In der Mitte des Songs setzt das Schlagzeug aus und Michael Raum zeigt in einem wunderschönen Posaunen Solo aus welchen tiefen Wurzeln sich dieses Feuer nährt. Aber die Band drängt zur Extase… ein strahlendes Trompeten Signal bricht den Damm und die Band feiert gelöst los. Noch einmal reduziert die Band den Song auf eine Handclap – Chant Party, um danach noch einmal zu den Instrumenten zu greifen und das Album fulminant abzuschließen.
Insgesamt ist „You the Night and the Funk“ ein beachtliches Debut. orange fizz haben ihr erstes volles Album sehr ausgefeilt und aufwendig produziert. Die Arrangements wurden an vielen Stellen durch Over-dubs angereichert. Beim genaueren Hinhören erschließt sich ein teilweise beachtlicher Detailreichtum. Der Sound des Albums ist modern und erschließt sich durchaus auch Hörern außerhalb der eingeschworenen Funk-Hörerschaft. Funk Puristen liegt die 2009er EP „Fruit Funk“ wohl näher, da hier die Produktion wesentlich spartanischer ausfällt. Ebenfalls angemerkt sei, dass die Band live natürlich komplett auf technische Erweiterungen verzichtet und ihre Musik pur und direkt darbietet. orange fizz gehört auch definitiv zur Kategorie „Live-Band“. Die Show sollte man auf jeden Fall gesehen haben.
Trackliste: 1. Head up High 2. Pass the Pan 3. Release 4. Scales 5. Kiwi Milk 6. Rush 7. Rime and Sun 8. Come over 9. Roundabout 10. Can't get enough 11. Right on Time 12. Part of the Sun (feat. Lupin) 13. Walking on Air
Zu beziehen ist das Album und EP über den Online shop der Band auf www.orangefizz.de
Author: Michael Treetop Voss
Powered by Simple Review
Artikel einreichen
Suche
Letzte Review
| 1. |
|
Soulshaker Vol.7 | 82.0 |
| 2. |
|
Uptown strut: Editors´Selection Vol.01 | 75.0 |
| 3. |
|
Budos Band - 3 | 80.0 |
| 4. |
|
Aiff - Afro Soul System | 72.0 |